17.07.2021 Frankfurt (Oder): Neonazistischer Aufmarsch der „Bruderschaft Wolfsschar“

Unter dem Motto „Linksterrorismus und Kindesmissbrauch stoppen“ mobilisierte die sich am 05. Juni 2021 zusammengeschlossene neonazistische Gruppierung „Bruderschaft Wolfsschar“ zu einem Aufmarsch durch Frankfurt Oder. Der Aufruf bekam Unterstützung von der NPD/ JN Brandenburg. Weitere Beteiligte waren die Kuttenträger „Brigade 8“, „Bruderschaft Deutschland“, die Kleingruppe „Bündnis Deutscher Hools“ um den Berliner Neonazi Enrico Schottstädt sowie mehrere Personen, die regelmäßig an den Berliner Corona-Protesten teilnehmen, davon einer, der dem harten Kern der Berliner „Freedom Parade“ um Michael Bründel zuzuordnen ist.

Der Aufzug begann im Starkregen. Akteure der „Brigade 8“ mussten auf Anordnung der Polizei schon kurz nach Ankunft ihre Kutten, das Statussymbol schlechthin, ausziehen und verstauen. Tattoos dagegen, darunter ein stilisiertes Hakenkreuz, das von einem SS-Totenkopf verdeckt ist und die nationalsozialistische Losung „Blut und Ehre“ – beides ist nach § 86 StGB in Deutschland verboten – wurden offen zur Schau gestellt.

Der aus Guben stammende Neonazi Alexander Bode betätigte sich an diesem Aufmarsch nicht nur als AntiAntifa-Fotograf und lichtete gezielt kritische Journalist*innen ab, er trug hier ein Shirt mit dem Aufdruck „Nur dein Tod schützt meine Kinder“. Das ist vor dem Hintergrund der tödlichen Hetzjagd von Guben eine Verhöhnung und ein offenes Bekenntnis zu seiner Überzeugungstäterschaft. Bode hatte mit einem Dutzend Neonazis in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1999 Asylsuchende durch Guben gejagt, wobei der aus Algerien stammende Farid Guendoul sich in Panik durch eine Glastür in einen Hausflur zu retten versuchte. Dabei riss er sich die Schlagader eines Knies auf und verblutete in kürzester Zeit. Bode wurde als Haupttäter verurteilt und musste eine nur zweijährige Haftstrafe absitzen.

Die Neonazis zogen unter rassistischen und NS-verherrlichenden Sprüchen klitschnass eine größere Runde durch Frankfurt Oder. Ihre Reden blieben am Auftaktort, zur Zwischen- und Endkundgebung wegen schlechter Technik akustisch unverständlich.

Insgesamt beteiligten sich 70 Neonazis an diesem Aufmarsch. Eine antifaschistische Gegendemonstration des lokalen Bündnisses „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“ , die in Sichtweite startete, zog mit rund 200 Personen durch die Stadt.

Hintergründe zur „Wolfsschar“ findet ihr beim Aktionsbuendnis Brandenburg

Nach der Demonstration zogen einige Nazis unbehelligt durch den Ort, wobei es noch zu verbalen Übergriffen, rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen kam, wie das lokale Bündis „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“ in ihrer Pressemeldung schreibt.

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17.07.2021 Frankfurt (Oder): Neonazistischer Aufmarsch der "Bruderschaft Wolfsschar"
Recherchenetzwerk.Berlin
2021.07.17 Frankfurt Oder - Neonaziaufmarsch Bruderschaft Wolfsschar und Protest (1)
Presseservice Rathenow
17,.07.2021 Frankfurt Oder 0565 Nazi-Aufmarsch JN&Wolfsschar
Paul Hanewacker
FrankfurtOder_17.07.2021_Bruderschaft_Wolfsschar_14
Medienkollektiv Brandeburg
Oskar Schwarz