02.12.2020 Berlin: „Medienmarsch“ von „Querdenken 30“ und „Freedom Parade“ um „Captain Future“

"Captain Future" verantwortet schon seit Monaten Corona-Parties, mittlerweile auch bundesweit. Bildrechte: Paul Hanewacker
„Captain Future“ verantwortet schon seit Monaten Corona-Parties, mittlerweile auch bundesweit. Bildrechte: Paul Hanewacker

Am Mittwoch, den 02.12.2020, zog ein kruder Marsch von Verschwörungsgläubigen, deren Teilnehmende man schon seit Monaten von diversen rechtsoffenen Anti-Infektionsschutz-Veranstaltungen kennt, in Berlin zu den Standorten verschiedener Medienanstalten und Zeitungsverlage. Dort wurde dann jeweils deren Berichterstattung zur Corona-Pandemie und den Coronaprotesten angeprangert und als tendenziös, unwahr und regierungskonform bezeichnet. Im Rahmen dieser kurzen Kundgebungen wurde versucht, ein Forderungskatalog an Repräsentanten verschiedener Medienhäuser zu überreichen. Aus guten Gründen wurde das überwiegend verweigert, jedoch nicht von allen. Dazu siehe Verdi, wo es als „ein fatales Zeichen“ kritisiert wird, wenn sich Repräsentanten von Funke und Berliner Verlag „mit Rechtsradikalen und Antisemiten auf der Straße treffen und Erklärungen entgegennehmen.

Organisiert wurde dieser Demo-Marathon mit dem Titel „Medienmarsch“ von „Querdenken 30 Berlin“. Technische und logistische Unterstützung kam von der selbsternannten „Freedom Parade“ um den rücksichtslos vergnügungssüchtigen „Captain Future“, der seit Monaten für rechtsoffene Corona-Parties verantwortlich ist. Unter den 70 Teilnehmenden waren der Antisemit und Shoahleugner Reza Begi, die Hildmann-Anhängerin Joana Wolf, die Antisemitin Anja Heussmann, die wie Begi schon im Rahmen der Montagsmahnwachen als extrem rechte Aktivistin wahrzunehmen war und heute mit gekauftem Presseausweis auftritt, der Reichsbürger „James Blond 006“ aka Oliver Becker sowie Antje Wagner, die sich seit wenigstens fünf Jahren in extrem rechten Kreisen bewegt. Nicht ganz überraschend war, dass auch Elke Zwinge, eine Antiimperialistin und Anhängerin diverser Despoten, die man sonst auch bei der nach rechts weit offenen Sekte „Mütter gegen Krieg“ wahrnimmt, hier mitlief. Sie war bereits Teil der Hygienedemos am Rosa-Luxemburg-Platz. Zu sehen war auch der Neonazi Stephan Boehlke, der seit einigen Wochen hier versucht Anschluss zu finden. Unter den weiteren Teilnehmer:innen befanden sich auch Personen, die in der Vergangenheit gegen Journalist:innen übergriffig waren.
Formal grenzen sich die Veranstalter:innen hier gegen Verschwörungsideolog:innen, Antisemit:innen und Neonazis ab. Rechte Inhalte und Teilnehmer:innen sind aber immer präsent und werden durchaus willkommen geheißen.



Dokumentierende Fotostrecken:
02.12.2020 Berlin Medienmarsch 0142 Querdenken Freedom Parade
Flickr-Fotostrecke via Paul Hanewacker
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Flickr-Fotostrecke via Igor Netz