Proteste gegen Rassismus in Aachen: Politischer Wegbegleiter und „Freund“ von Andrej Hunko instrumentalisiert den Tod von George Floyd

Ein Gastbeitrag aus Aachen

Der umtriebige Aachener Aktivist Walter Schumacher, Herausgeber der Zeitung „kraz- Kritische Aachener Zeitung“ [1], Ansprechpartner des „Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie- Anti-AKW Aachen“ [2] und Vorstand des Vereins „stop tihange Deutschland“ [3] erschien Anfang Juni bei der von der Aachener LINKEN unter Teilnahme des Aachener MdB Andrej Hunko organisierten Kundgebung „I can’t breathe!“ gegen Rassismus und rassistische Polizeigewalt mit einem Maulkorb.
Das von Walter Schuhmacher mitgeführte Schild zeigte die Botschaft:
„Ohne Video des rassistischen Mordes wäre George Floyd nur ein „CORONA“-TOTER!
(„an oder mit“ Corona gestorben…)“

Walter Schumacher mit Maulkorb auf einer Achener Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt. Foto: privat

Schumacher, der viele Jahre das Gesicht des „Anti-Kriegs-Bündnis Aachen- (AKB)“ darstellte, das er 1990 gemeinsam mit dem heutigen Fraktionsvizen der Linken Andrej Hunko gründete, zeigt sich schon lange mit Verschwörungsideolog:innen und Montagsmahnwachen-Aktivist:innen verbunden. Wegen seinen Positionen zu den Corona-Maßnahmen hat sich das „Anti-Kriegs-Bündnis Aachen- (AKB)“ von ihm distanziert.

Seit Langem ist das von Schuhmacher herausgegebene Magazin „kraz- Kritische Aachener Zeitung““ hauptsächlich Plattform für die Verbreitung von fragwürdigen politischen Positionen . Ehemalige Redakteur:innen wandten sich bereits ab und verließen das immer problematischere Blättchen. Ein Blick in die Artikel-Liste (und auch deren Verfasser:innen) zeigt deutlich, welch Geistes Kind dort proklamiert wird.

Corona-Demos in Aachen

Schumacher war erst kürzlich in Verbindung mit Hunko in die Presse geraten, als er am 16.05.2020 die Anmeldung und Moderation des wöchentlichen Aachener Hygienedemo-Ablegers übernahm. Zuvor war der Würselener Demagoge Ansgar Klein Anmelder, bis gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet wurde, da die von ihm angemeldete Kundgebung am 09.05.2020 eine bereits laufende Seebrücke-Mahnwache massiv störte.

Klein selbst ist bereits seit 2014 fester Bestandteil der Montagsmahnwachenbewegung. Er trat hier als Sprecher auf und gab Interviews in Formaten wie KenFM oder auch KrostaTV. Krosta TV wiederum geht auf Michael Krosta zurück, der selbst immer wieder auch Teil von neonazistischen Demonstrationen war.

Eine von Klein und seiner Ehefrau initiierte Petition macht seit Wochen vor allem in rechten, verschwörungsgläubigen und rechtsoffenen Kreisen die Runde. In ihr wird gefordert, dass sämtliche Einschränkungen in Zusammenhang mit dem Corona-Virus aufgehoben werden sollen. Da sie diverse Falschaussagen beinhaltete, wurde die Petition zwischenzeitlich gesperrt. Klein behauptet, dass Corona keine Epidemie sei und dass Mund-Nasen-Masken zu Hirnschäden führen würden. Dabei betont er öffentlich, dass Corona nicht gefährlicher sei als die Grippe.


Am 16.05. fanden in Aachen übrigens parallel zueinander mehrere Versammlungen statt, die sich gegen Rechts und gegen Verschwörungsideologien richteten, unter anderem anlässlich einer Corona-Kundgebung der AfD. Obwohl die Studierendenorga der LINKEN, die SDS, eine der antifaschistischen Kundgebungen mit ins Leben rief, zog Hunko es vor, bei der verschwörungsideologischen Hygiene-Demo mit Ansgar Klein und Walter Schumacher Präsenz zu zeigen.

Wiederholt wurde beobachtet, daß sich AfD-Fans, Reichsbürger*innen und andere Rechtsradikale unter den Teilnehmenden der Aachener Hygiene-Demos befanden, so zum Beispiel am 09.05.2020. Auch wurden schon dementsprechende Inhalte auf Flyern verteilt.

Die Reden der Kundgebungen werden auf dem Youtubekanal der „Arbeiterfotografie“ veröffentlicht, ein Projekt der gefestigten Verschwörungsideolog:innen Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, die sich hier fälschlicherweise in eine Tradition der sozialkritischen Fotoreportagen der Weimarer Republik stellen und die Öffentlichkeit damit zu täuschen versuchen. Neumann und Fikentscher sind auch Herausgeber:innen der „Neuen Rheinischen Zeitung„, ebenfalls ein verschwörungsideologisches Querfront-Projekt, das aggressiven Antisemitismus und rechte Theorien verbreitet, die bis in neonazistische Kreise anschlussfähig sind.

Andrej Hunko war mindestens zwei Mal Redner auf den Aachener Hygiene-Demos. Seinen ersten Auftritt hatte er hier schon im April. Bereits dort trug Schumacher als Zeichen des Protest gegen die Infektionsschutzmaßnahmen diesen Maukorb, wie ein Foto bei Facebook zeigt.

Andrej Hunko mit seinem politisch Freund Schumacher und der Parteifreundin Gabi Halili bei einer Corona-Hygienedemo am 25.04.2020 in Aachen. Bereits da trug Schumacher diesen Maulkorb als Zeichen des Protest gegen die Infektionsschutzmaßnahmen.
Quelle: FB/ Gabriele Halili

Am 16.05. äußerte Schumacher in seiner Moderation die Einschätzung, dass die veröffentlichten Zahlen des RKI gefaked, oder, dass sie wenigstens für die politischen Ziele passend gemacht seien.

Das bekanntermaßen vielfach rechte und verschwörungstheoretische Inhalte verbreitende Magazin Rubikon verteidigte Schumacher mit dem Hinweis darauf, es würde, wie andere Magazine auch, halt weniger gute, aber auch viele gute Inhalte veröffentlichen.
Nach vielen kritischen Stimmen gegen die bereits seit Wochen stattfindenden Hygiene-/Corona-Rebellen-Demos in Aachen wehrte er sich gegen den Vorwurf, es gäbe rechte und querfrontlerische Teilnehmer*innen.

„Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass wir hier wirklich Leute sind, die vernünftig sind. Die eine bessere, oder eine gute oder bessere Gesellschaft wollen.(…)“

Abgrenzung gegen rechts sah bei Schumacher dann so aus: An anwesende Nazis und Rechte richtete er die Bitte, falls sie sich da wohler fühlen würden, doch bitte zur parallel stattfindenden Kundgebung der AfD zu gehen. „Ich hab keine Lust, hier irgendwo ein riesen Bohei zu machen!“

Corona, so ist der Tenor, der auch in Aachen wöchentlich organisierten Veranstaltungen, sei deutlich weniger gefährlich, als durch die Regierung dargestellt und angeordnete Maßnahmen sollten größtenteils, wenn nicht gar gänzlich, beendet werden.

Instrumentalisierung von George Floyd

Umso mehr verwundert nun das von Schumacher mitgeführte Schild bei der „I can’t breathe“-Kundgebung. Was will Schumacher mit seinem Schild andeuten?
Dass George Floyd aufgrund von Corona sowieso gestorben wäre? Und der Mord dem nur zuvor gekommen ist?
Oder, dass Floyd eigentlich einer von jenen Menschen ist, die wegen anderer Ursachen als Corona, also vermeintlich MIT statt AN Corona, gestorben sind, und dieser Denke folgend nur für politische Zwecke zu Corona-Toten gezählt wurden, wie es beim rechten Verschwörungsblog „Alles Schall und Rauch“ heißt?
Oder hängt er der kursierenden Verschwörungsidee anheim, dass das Video nur gefaked ist und nun für Proteste genutzt wird?

Welche Version auch immer nun gemeint ist, diese Botschaft instrumentalisiert den Tod von George Floyd schamlos und lenkt von den berechtigten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt ab. Beides hat nichts miteinander zu tun und ist nicht nur ein Ablenkungsmanöver, sondern verhöhnt auch die Betroffenen.

Nach wie vor haben sowohl Schumacher, als auch Hunko ein Standing in Aachen und stehen immer noch ungestört bei diversen politischen Veranstaltungen an den Mikros und in den Medien, auch wenn die Unterstützung endlich langsam zu bröckeln beginnt.