Herausgepickt: der Neuköllner Neonazi Amin Khazaeli


Khazaeli bei einer neonazistischen „Merkel muss weg“-Demonstration in Berlin
Khazaeli bei einer neonazistischen „Merkel muss weg“-Demonstration in Berlin
Khazaeli bei einer neonazistischen „Merkel muss weg“-Demonstration in Berlin
Khazaeli bei einer neonazistischen „Merkel muss weg“-Demonstration in Berlin

Am 24.08. war Amin Khazaeli als Zeuge einer Körperverletzung in Eberswalde vor Gericht, die er selbst im Rahmen des Gegenprotestes am Rande einer extrem rechten Veranstaltung von „Heimatliebe Brandenburg“ im Februar 2019 erfahren haben will. Doch Khazaeli blieb der Verhandlung fern. Dass ausgerechnet Khazaeli meint, Opfer einer Körperverletzung gewesen zu sein, ist dabei kritisch zu betrachten. Denn Antifaschist:innen und Journalist:innen zu provozieren und zu bedrängen, um dann eine angebliche Körperverletzung zur Anzeige zu bringen, hat bei ihm System.

Der 1990 in Berlin geborene Amin Khazaeli ist ein deutscher Staatsbürger mit iranischen Wurzeln. Seine Eltern kamen 10 Jahre vor seiner Geburt wegen der politischen Verhältnisse im Iran als Geflüchtete nach Deutschland. In der Öffentlichkeit bewegt sich Amin sehr auffällig, belästigt am Rande von extrem rechten Veranstaltungen und neonazistischen Aufmärschen immer wieder Frauen und ist sexistisch übergriffig. Davon sind sogar Polizistinnen betroffen. Weil in seiner Persönlichkeitsstruktur offensichtlich einiges schief läuft, ist Khazaeli unberechenbar und als gefährlich zu bezeichnen.

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Amin Khazaeli bei der extrem rechten Kundgebung von „Heimatliebe Brandeburg“ am 09.02.2019. Hier soll sich die angezeigte Körper-
verletzung zugetragen haben. © Paul Hanewacker

Ein Rückblick: Amin Khazaeli und die NPD

Das erste Mal trat der damals 18 Jahre alte Amin Khazaeli am 23. August 2008 auf einer NPD-Demonstration, die sich gegen den Bau eines Hindu-Tempels im Neuköllner Ortsteil Britz richtete, öffentlich in Erscheinung. Seitdem wird er immer wieder auf extrem rechten Kundgebungen und neonazistischen Aufmärschen in Berlin, aber auch in anderen deutschen Städten angetroffen. Antifaschistischer Gegenprotest wird von ihm offensiv provoziert. Oft macht er aus sehr geringer Entfernung mit seinem Mobil-Telefon Streams und Fotos von Antifaschist:innen, aber auch auf Journalist:innen, die solche Veranstaltungen dokumentieren, ist er fokussiert. Diesen stellt er sich mit vollem Körpereinsatz in den Weg, versucht sie abzudrängeln, schubst und begeht dabei auch Sachbeschädigung an technischer Ausrüstung. Frauen gegenüber benimmt er sich aggressiv anzüglich und versucht sie auch zu begrabschen. Mit seinem Auftreten versucht er wiederum bei anderen Neonazis zu glänzen, die ihn sonst kaum für voll nehmen.

Im September 2013 griff Khazaeli am U-Bhf. Britz-Süd aus einer NPD-Kundgebung heraus einen Fotografen an. In diesem Zusammenhang kam es im Oktober 2014 zu einer Gerichtsverhandlung, in der er laut Protokoll eines Prozessbeobachters u. a. bestätigte, mit dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden Udo Voigt seit mehreren Jahren privat bekannt zu sein. Mit den neonazistischen Gewalttätern der NPD vom damaligen „Nationalen Widerstand Berlin (NW Berlin)“ Sebastian Thom, Robert Hardege, Julian Beyer und Jan Sturm aus Neukölln, war/ist Amin Khazaeli demnach ebenfalls gut bekannt. Auf Fotos von Kundgebungen ist er an der Seite dieser Akteure zu sehen. Thom und Beyer sind Hauptverdächtige im Neukölln-Komplex, der eine Serie von bis heute unaufgeklärten rechten Anschlägen im Bezirk betrifft.

Schöneweide, 18.09.2010: rechts mit Sonnenbrille neben Khazaeli Robert Hardege und in der Mitte im Hintergrund Julian Beyer. Hardege ist für einen Brandanschlag verurteilt und Beyer ist dauerhaft Tatverdächtiger der rechten Anschlagserie in Neukölln.

Zu der Zeit versuchte er beim NW Berlin anzudocken und auch seinen Kleidungsstil passte er dem der Autonomen Nationalisten an. Die „Kameraden“ hatten allerdings, wohl aufgrund seines iranischen Hintergrunds und seiner aufdringlichen Art, kein Interesse, ihn in ihre Strukturen aufzunehmen. Die gegen Antifaschist:innen und Journalist:innen gerichtete Strategie hat sich Amin Khazaeli in dieser Zeit aber bei den Neonazis des NW Berlin abgeschaut. Die Masche besteht darin, Leute zu provozieren, sie körperlich anzugehen, und sie dann bei der Polizei wegen angeblicher Körperverletzung oder Beleidigung anzuzeigen. Auf diesem Weg sichert sich Khazaeli persönliche Daten, die er weiterreicht und sich so wieder das Interesse anderer Neonazis bewahrt. Leider hatte er damit in der Vergangenheit öfter Erfolg und Journalist:innen wie auch Antifaschist:innen haben immer wieder mit den Folgen zu tun.

Verschiedene Blogs im Internet schreiben, Amin Khazaeli sei Mitglied der NPD – dafür gibt es aber keine Belege. Laut oben genannten Prozessprotokoll wurde das bei der Gerichtsverhandlung sogar ausdrücklich verneint.

Khazaeli und die rassistische Mobilisierung ab 2016

Nachdem er zwischen 2014 und 2015 kaum wahrzunehmen war, tauchte er ab Januar 2016 regelmäßig beim Berliner PEGIDA-Ableger BÄRGIDA auf und ab März 2016 auch beim Potsdamer Pendant POGIDA, zumindest solange es diese Gruppe um den Kleinkriminellen Christian Müller gab. Bei BÄRGIDA fiel er als besonders vulgär und aggressiv auf, was auch daran lag, dass er die neonazistischen Hooligans um Enrico Schottstädt (damals „Bündnis deutscher Hools“) zu beeindrucken versuchte. Die Neonazis wussten das zu würdigen und spornten ihn weiter an, so dass er mit Schimpfworten, Nazi-Sprüchen, -Codes und Spucke um sich warf und auch schon mal den Arm zum Hitlergruß hob. 2017 und 2018 war er dann Teilnehmer der neonazistischen Heß-„Gedenkmärsche“ in Berlin. Auch an dem Demonstrationsversuch der Identitären in Berlin 2017 beteiligte er sich, aber er fiel den Veranstaltenden als unangenehm auf und wurde mehrmals weggeschickt. Von einer anderen Seite stieß Khazaeli aber immer wieder zur Versammlung dazu und provozierte weiter. 2018 folgte dann seine Teilnahme an den von März bis Mai ausgeführten Montag-Demos über die Friedrichstraße und dem sogenannten „Tag der Patrioten“ am 03.10., beides Veranstaltungen des inzwischen aufgelösten Vereins „Wir für Deutschland“ um den Marzahner Neonazi Enrico Stubbe. Ab 2019 taucht er dann vermehrt alleine auf rassistischen Demonstrationen in anderen Städten auf, so in Cottbus, Chemnitz, Köthen, Magdeburg, Leverkusen, oder beim Versuch der Identitären in Halle Stärke zu demonstrieren und sich als politisch wichtige Kraft zu inszenieren.

Auch in Dresden ist er zuletzt immer häufiger in Erscheinung getreten, zuletzt bei PEGIDA am 20.01.2020, wo er auch an Übergriffen beteiligt war und beim geschichtsrevisonistischen „Trauermarsch“ am 15.02.2020.

Auffällig ist Khazaelis Selbstinzenierung, die ihn immer die Nähe zu Kadern und bekannten Figuren der Rechten suchen lässt. Auf Veranstaltungen ist er auch häufig an Fronttransparenten zu sehen, was wohl eher dem geschuldet ist, dass er sich vordrängelt, als dass man ihn dort haben will. In Leverkusen wurde er dabei gefilmt, wie er Journalist:innen in ihrer Arbeit zu stören versuchte, dann aber nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Neonazi-Kader Alexander Kurth in die Schranken gewiesen wurde.

Khazaeli und die AfD

Nachdem die AfD als politisch bedeutenste rechte Kraft wirkt, versucht Khazaeli hier anzudocken und ist immer häufiger auf deren Kundgebungen in Berlin und Brandenburg in Erscheinung getreten. Hin und wieder konnte man ihn dann auch in einer AfD-Weste oder mit einer Ordnerbinde sehen.

2019.08.18 Brandenburg Havel AfD Wahlveranstaltung und Proteste (17)
Khazaeli am 18.08.2019 auf einer Afd-Wahlveranstaltung in Brandenburg an der Havel in Afd-Weste. © Presseservice Rathenow

Amin Khazaeli, der in der Gropiusstadt im Süden von Neukölln wohnt, engagiert sich auch an den Infoständen der AfD Neukölln und verteilt dort ihre Propaganda, wie ein Posting der Fraktion auf Facebook zeigt. Offensichtlich instrumentalisierte man hier seine Erscheinung und ließ ihn provokativ in unmittbarer Nähe neben einem Stand vom Bündnis gegen Rassismus AfD-Flyer verteilen. Khazaeli macht so etwas gern und offensiv.

Amin Khazaeli verteilt Propaganda für die AfD-Bezirksfraktion Neukölln.  Quelle: Facebook
Amin Khazaeli verteilt Propaganda für die AfD-Bezirksfraktion Neukölln. Quelle: Facebook

Nach Eigenaussage will Khazaeli selbst Mitglied in der AfD sein, aber auch dafür gibt es keine Belege. Festzustellen ist jedoch, dass er sich immer wieder an der Seite von führenden Funktionären inszeniert und auch über sein Facebook-Konto mit AfD-Mitgliedern, aber auch anderen Neonazis verbunden ist.

Seit dem 01.05.2020 ist Khazaeli dann regelmäßig im Rahmen der verschwörungsideologischen Hygienedemos und anderer Proteste gegen die Corona-Infektionschutzmaßnahmen zu sehen. Hier verursachte er hauptsächlich Stress, wozu ihn das unübersichtliche Ambiente dieser Veranstaltungen, in denen es hauptsächlich um eine Opferinszenierung geht, regelrecht einlud. Journalist:innen wurden von ihm angesprungen und bedrängt oder er versuchte die Stimmung weiter zur Randele anzuheizen und für sich auszunutzen. Regelmäßig wurde er erkennungsdienstlich behandelt und bekam Platzverweise.

Khazaeli begibt sich auch auf antifaschistische, antirassisistische oder zivilgesellschaftliche Veranstaltungen und Demonstrationen, um dort Aktivist:innen zu filmen oder zu fotografieren. Das Material nutzt er wieder um sich bei Neonazis anzubiedern. Leider wird er aufgrund seines Äußeren oft nicht als Neonazi erkannt, weshalb es auch in diesem Kontext wichtig ist, über ihn Bescheid zu wissen, aufmerksam zu bleiben und ihn konsequent von Veranstaltungen zu verweisen. Zuletzt tauchte er bei Black Lives Matter, bei Fridays for Future oder einer antirassistischen Demonstration in Neukölln auf.

Sein älterer Bruder Ehssan Khazaeli, der heute ein renommierter Rechtsanwalt in Berlin ist und sich öffentlich nicht zu seinem kleinen Bruder verhält, gehörte übrigens der rechten „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ an, und sollte 2010 nach seinem Übertritt zu der ebenfalls weit rechts zu verortenden Partei „Die Freiheit“, für diese eine Jugendorganisation aufbauen. Dieser familiäre Kontext könnte Grundstein für die extrem rechte Sozialisierung von Amin Khazaeli gewesen sein.

Hinweis:
Sofern nicht anders bezeichnet, liegt das Copyright für sämtliche Bilder bei Aaron Rosenfeld.