Sozialdarwinismus in Zeiten von Corona: COMPACT-TV im Gespräch mit Afd-Peter Boehringer

Dürfen Menschen dem Corona-Virus geopfert werden? In der AfD wird das bereits ergebnisoffen diskutiert, wie aus einem Gespräch von COMPACT-TV mit Peter Boehringer (AfD) über gesellschaftspolitische Auswirkungen von Corona-Schutzmaßnahmen hervorgeht.

COMPACT-TV streamte am 1. April 2020 live ein Gespräch zwischen dem protofaschistischen Ideologen und Chefredakteur Jürgen Elsässer, dem Compact-Reporter Martin Müller-Mertens und dem AfD-Bundespolitiker Peter Boehringer über Corona und den gesellschaftspolitischen Auswirkungen der von der Bundesregierung getroffenen Schutzmaßnahmen.
Fairerweise muss hier darauf hingewiesen werden, dass dem ebenfalls zu Verschwörungserzählungen neigenden Peter Boehringer einige Interpretationen in dieser Runde in Bezug auf das Corona-Virus zu weit gingen und er auf Distanz ging. Dennoch gab er weitereichenden Einblick in interne AfD-Debatten. So gab er zu verstehen, dass Teile der AfD es mindestens billigend in Kauf nehmen, Menschen aus Risikogruppen dem Virus zu opfern, um wieder etwas Normalität in das öffentliche Leben zu bringen. In Frage stellt man hier scheinbar weniger, ob das moralisch vertretbar ist, sondern ob das bereits gefordert werden kann. Denn „noch“ sei die Gesellschaft dazu nicht bereit, „noch“ wehren sich die betroffenen Menschen dagegen. Die gesellschaftliche Erosion zivilisatorischer Standards schreitet voran.

Boehringer im Transkript:

„ […] aber 5% ähhh 1% Tote bei einer kompletten Durchseuchung der Bevölkerung, ist halt hässlich. Das sind halt mehr als 20.000 und deswegen nimmt es die Regierung ernster als sonst. Und dieses Argument kann ich nicht völlig bei Seite wischen – noch nicht! […]
Aber es scheint doch etwas ansteckender oder etwas tödlicher zu sein als die übliche Influenza. Ähm, und davon hängt halt Alles ab. Und wer was anderes sagt, wer sagt: ‚Wir müssen sofort wieder aufmachen‘, wer das heute schon sagt, der sagt implizit: ‚Okay, wir lassen es geschehen. Wir müssen es geschehen lassen, so wie wir jede Grippewelle einfach geschehen lassen.‘ Nur das hat halt zwei Nachteile: Erstens, die etwas höhere Todesrate, und Zweitens, das, äh, der fehlende Impfstoff noch, ähm, so lange der Impfstoff nicht da ist, wird man damit implizit Leute zum Tode verurteilen. Weitgehend über 80jährige – Ok. Aber noch wehren sich die, das sind gar nicht so wenige. Und noch ist das moralisch in Deutschland nicht durchsetzbar. Und da wird’s dann halt politisch. Kann eine Partei jetzt schon völlig für dieses Szenario sein? Wir tun uns tatsächlich auch selbst mit dieser Frage nicht schwer, äh, schwer, denn genau das ist die Frage, die wir uns auch stellen: Können wir es fordern? Ich bitte da noch um eine Woche Geduld. Ich kann es heut noch nicht beantworten. Aber wir sind vielleicht in der Richtung unterwegs.“

Quelle mit Timecode: „Todesvirus für den Euro? COMPACT-TV mit dem Ökonomen Peter Boehringer“ – Live übertragen am 01.04.2020

www.youtube.com/watch?v=y_kHND6-lOQ&feature=youtu.be