Rassistische Mobilisierung in Aue: NPD-Kundgebung von Stefan Hartung

Der weihnachtlich geschmückte Altmarkt in Aue füllte sich schnell mit einer rassistischen Menschenansammlung.

Rund 2000 Personen folgten am 28.12.2019 einem Aufruf des NPD-Kreispolitikers Stefan Hartung zu einer rassistischen Kundgebung unter dem Motto „Heimat bewahren – Überfremdung und deren Auswirkungen verhindern“ ins sächsische Aue. Hintergrund der Veranstaltung ist ein eskalierter Konflikt mutmaßlich unter Asylbewerbern zu dem es bei einer Weihnachtsfeier für Bedürftige im Pfarrhaus der Auer St.-Nicolai-Kirchgemeinde gekommen war. Ein ehrenamtlicher Helfer wurde hierbei verletzt und musste im Krankenhaus notversorgt werden.

Neben Stefan Hartung selbst, der versuchte, eine moderate Figur abzugeben, trat der neonazistische Anwalt Martin Kohlmann auf, der als Kopf von Pro Chemnitz maßgeblich für die rassistische Mobilisierung 2018 in Chemnitz verantwortlich war. Am 18. März 2018 war Kohlmann auch einer der Hauptredner einer neonazistischen Veranstaltung in Potsdam, auf der sich mit den HolocaustleugnerInnen Ursula Haverbeck und Horst Mahler solidarisiert und die Abschaffung von § 130 Volksverhetzung gefordert wurde.

Kohlmann trat in Aue mit einer Bibel auf, aus der er wirre Thesen zur Abweisung von Muslimen ableitete und behauptete, die Schrift werde von KirchenvertreterInnen ideologisch instrumentalisiert und umgedeutet, wogegen man sich wehren müsse. Vor seiner Rede bedrängte der Anwalt noch zwei Journalisten, die er dann aus unmittelbarer Nähe mit seinem Handy abfotografierte.

Kohlmann auf dem Altmarkt in Aue

Die Veranstaltung, die bis auf Provokationen einzelner TeilnehmerInnen gegen PressevertreterInnen weitgehend ruhig ablief, wurde von einem Sänger abgeschlossen, der eine nationalistische Abwandlung des aus dem Erzgebirge stammenden Bergmannsliedes „Steigermarsch“ vorführte.

An der Veranstaltung, von der sich die betroffene Gemeinde distanzierte, nahm ein breites Spektrum von RassistInnen teil, darunter Kohlmanns Wählervereinigung Pro Chemnitz, die seit Ende 2018 vom Verfassungsschutz beobachtet wird und erkennbare Neonazis vom III. Weg. Diese wurden lediglich aufgefordert, ihre Parteifahnen herunterzunehmen. Ein rassistisches Transparent und ein Plakat dagegegen wurden nicht beanstandet.

Ein weiterer Teilnehmer war der wegen Volksverhetzung verurteilte Antisemit, Geschichtsrevisionist und Reichsbürger Christian Bärthel aus Ronneburg, der sich selbst als „Prediger“ und „Evangelist“ inszeniert.

2015 trat Bärthel unter anderem neben Donatus Schmidt (mittlerweile in der Afd gelandet), Fuad Afane, „Die Bandbreite“ und Stephane Simon in Halle/Saale bei „Pegada-Endgame“ auf, einem rechten Ableger der „Mahnwachen für den Frieden“, für den sich u.a. Frank Geppert verantwortlich zeigte. Christian Bärthel nutzte seine Redezeit hier, um sich mit Holocaustleugnern zu solidarisieren und die Freiheit von Horst Mahler zu fordern. Da passte es nur zu gut, dass weitere Neonazis anwesend waren, so zum Beispiel Thomas „Steiner“ Wulff, Alexander Kurth oder auch Rolf Dietrich.

Videozusammenschnitt der Pegada-Veranstaltung vom 21.02.2015 in Halle/Saale, unter anderem mit Christian Bärthel (ab min 5:26), der seine Redezeit nutzte, um die Freiheit von Horst Mahler zu fordern.

Ein weiterer Teilnehmer der Veranstaltung in Aue trug eine Schirmmütze mit dem Logo von „Wir sind Deutschland“. 2015 versuchte man kurzzeitig in mehreren sächsischen Kleinstädten eine Art Pegida-light unter diesem Logo zu etablieren.

Teilnehmer mit „Wir für Deutschland“-Mütze

Die Veranstaltung von „Wir sind Deutschland“ zeigte sich in Reden zwar genauso rassistisch wie die Dresdner Variante, aus Image-Gründen wollte man aber keine erkennbaren Neonazis unter sich haben. Auch hier traten mehrmals Protagonisten der Mahnwachen auf, darunter Frank Geppert, der diese Bühne gemeinsam mit Kathrin Oertel nutzte, so wie auch der antisemitische Dampfplauderer Ken Jebsen, der hier von seinem engen Mitstreiter Pedram Shahyar begleitet und bestärkt wurde. Heute versucht der Querfrontler Shahyar, der sich nie von den Mahnwachen und seiner engen Zusammenarbeite mit Jebsen distanziert hat, wieder ein linkes Image zu geben. Dabei wird dieser von Markus Staiger unterstützt. Zusammen betreiben sie seit einiger Zeit „kommon.jetzt“, ein Medienportal in dem sie linke Gruppen, Bewegungen und Aktionen als Reporter begleiten und vorstellen.

Eine dokumentierende Fotostrecke findet sich bei Flickr:

28.12.2019 Aue: Rassistische Kundgebung auf dem Altmarkt