Antisemitismus: Verklärung & Propaganda auf dem Ausgeladen-Festival

Unsere Antwort auf eine Propaganda-Rede der JW-Kameradin Hanna Bruns

Lügen werden nicht wahrer umso öfter man diese wiederholt und will man ernst genommen werden, sollte man irgendwann auch anfangen, Gegenrede wenigstens wahrzunehmen [1], sofern man natürlich nicht nur Propaganda betreibt.

Aber diese Propaganda-Rede gibt uns auch die Gelegenheit, unseren Artikel, indem angeblich der Jugendwiderstand übel diffamiert und Adressen von Arbeitsstellen und Privatwohnungen genannt worden sein sollen, erneut zu bewerben. Die Kritik am Jugendwiderstand und dessen befreundete Gruppen halten wir aufrecht. Sie lautet nicht, wie Frau Bruns hier verklärend behauptet, die „Angeklagten“ hätten sich mal das T-Shirt ausgezogen oder Schimpfwörter genannt und seien ansonsten tadellose Linke. Sie lautet vielmehr, der JW greift Genossen und Genossinnen, Journalistinnen und Journalisten an und versucht Antisemitismus, Sexismus und toxische Männlichkeit zu etablieren, während Kritik daran als rechts umgelabelt wird. Auch wurden in der Vergangenheit (was in unserem Bericht noch nicht einmal genannt wurde, da wir den Betroffenen nicht erneut zur Zielscheibe machen wollten) Recherchen des III. Weg aufgegriffen um Genossen mit Klarnamen im Netz zu doxxen und zu beschimpfen [1]. Maßgeblich daran beteiligt war übrigens diese Frau Bruns, die hier für den Jugendwiderstand spricht.


Antisemiten gibt es wie Sand am Meer. Aber wer so laut seinen Antisemitismus und sein regressives Weltbild, das mit Revolutionskitsch aus dem letzten Jahrhundert aufgeladen wird, auf die Straße trägt, der darf auch mit Kritik rechnen und sollte damit dann auch umgehen können. Wer aber auch noch beginnt, die Diskurshoheit mit Mitteln der Gewalt und Versuchen der Einschüchterung zu erlangen, der hat dann auch mit Widerstand zu rechnen. Warum sollten wir es auch stillschweigend hinnehmen, dass diese Strukturen Genossen und Genossinnen angreifen, nur weil sie Antisemitismus-kritisch berichten oder gegen Antisemitismus und die Verteufelung Israels als Apartheidstaat protestieren. Letztlich wird von diesen Strukturen unverhohlen und offen Hass auf Israel geschürt, der nicht nur den Nahostkonflikt tangiert. Dieser Hass entlädt sich real auch in Deutschland an Juden und Jüdinnen. Täter werden von Taktikka übrigens als „Einer von uns“ gefeiert, was die ständige Leier von „Nix gegen Juden, aber….“ als das entblößt, was es ist: Antisemitismus.

Erneut wird hier auch versucht, die Verantwortung für die strafrechtliche Verfolgung einzelner Mitglieder des JW, auf uns, auf sogenannte „Antideutsche“ abzuwälzen. Ganz so als würde nicht schon seit Jahren gegen Mitglieder des JW ermittelt, als seien ihre Daten nicht schon längst bei Behörden gespeichert, als würden sich einzelne Mitglieder nicht mit Polizeimaßnahmen, von denen sie betroffen waren, im Netz brüsten, sollen andere aufgrund ihrer Kritik nun für Repressionsmaßnahmen verantwortlich sein. Das ist nicht nur billig, es konterkariert auch das selbstgemalte Bild, des furchtlosen Revolutionärs, der „Gewehr an Gewehr und Schulter an Schulter“ die Welt in einen Krieg stürzen will um diese von Imperialismus und Zionismus zu befreien.

Habt ihr wirklich geglaubt, ihr könntet euch bei der PFLP auf die Bühne stellen und euren Traum vom blutigen Volkskrieg beschwören, ohne dass Repressionsstellen darauf aufmerksam werden? Wie naiv ist das denn? Von wann sind die Taten, wegen denen ermittelt wird und von wann ist unserer Bericht? Allein die zeitliche Abfolge widerspricht dieser Darstellung. Nebenbei ist es auch „zuckersüß“, wie diese „Mannsbilder“ und Revolutionsromantiker im Netz einen Umsturz, ja die Welt-Revolution propagieren, um dann beim ersten bisschen Staatsgewalt jämmerlich einzuknicken. Es entlarvt euch als Internetgroßmäuler, deren Gewalt sich alleine gegen Andersdenkende richtet.

Kleine Anfrage durch Die Linke vom 18.09.2019: Nachfolgebestrebungen der Gruppe „Jugendwiderstand“. Die Antwort zeugt davon, dass alle JWler, bei denen Hausdurchsuchungen stattgefunden haben, seit Jahren schon polizeilich erfasst sind, weshalb auch immer. Deutsche Behörden haben unseren Bericht nie gebraucht.
Quelle: kleineanfragen.de

Eine weitere Kritik, die wir ebenfalls aufrechterhalten, ist der Umgang mit Neonazis, die der Jugendwiderstand stillschweigend in ihre Strukturen überführt und die anderen, insbesondere Antisemitismus-kritischen Leuten, zur Gefahr werden können.

Noch mal: Der Neonazi in den Reihen des Jugendwiderstand kommt von der NPD Neukölln, er demonstrierte eng an der Seite von Sebastian Schmidtke und Sebastian Thom. Sebastian Thom wurde damals schon, als er noch Kamerad des heutigen Jugendwiderständlers war, für Brandstiftungen verantwortlich gemacht und steht heute immer noch im Verdacht, hinter der Serie an Brandstiftungen im Bezirk zu stehen. Es macht stutzig, dass die NPD sich dem Jugendwiderstand so freundlich zeigt, dass sogar Sebastian Schmidkte mal vorbeischaut, um ein Like auf ihrer FB- Seite zu hinterlassen.

Quelle: FB/ Jugendwiderstand

Es bedeutet eben keinen Fortschritt, einen Strasser-Ideologen aufzunehmen, von dem freudig verkündet wird, dass er von der MLPD auf seine Zukunft in den Reihen des Jugendwiderstand vorbereitet worden ist [2]. Wie gefährlich dieses rechtsoffene Weltbild, in dem Sexismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus, toxische Männlichkeit und der Wunsch nach starken und festen Gemeinschaftstrukturen und Uniformität ist, zeigt sich eben auch an der Möglichkeit der Fluktuation von rechts nach links, wie auch von links nach rechts. So wie der Jugendwiderstand Neonazis aufnimmt, sind ihre Kameraden eben nicht davor gefeit, nach rechts überzulaufen. Die Nähe ihrer Weltbilder, die nicht nur dieselben Feindbilder eint, macht’s möglich. Ausdrücklich hat sich das am Fall Hassan el-Kassen gezeigt [3], der diesen Strukturen entspringt und mehrmals als „Bruder“ an der Seite von Takikka stand und auch als Rapper Jugendwiderstand -Veranstaltungen mitgetragen hat.

Hanna Bruns redet von Spießigkeit ganz so als sei die Verharmlosung von Sexismus und Antisemitismus emanzipatorisch. Das Weltbild, das sie propagiert, ist dem Spießbürgertum näher, als sie wahrhaben will. Wie will eine solche Linke, die im Bezug auf Israel die selben Ziele verfolgt, glaubhaft antisemitischen Hass von Neonazis bekämpfen?

Quelle: FB: Lasse Richei, Neonazi aus Braunschweig
Quelle: FB: Taktikka (mittlerweile gelöschte Seite)

Zur Propaganda-Veranstaltung Ausgeladen, die im Kontext verschiedener Veranstaltungen der Melodie und Rhythmus / Junge Welt zu sehen ist, die sich das Ziel gesetzt haben, den Begriff des Antisemitismus zu verbiegen, kann man nur sagen, dass sie jede Erwartung übertroffen hat und ihre „Künstler“ mit voller Berechtigung Widerstand in linken Strukturen erfahren [4].

Gegen jeden Antisemitismus, Solidarität mit Genossinnen und Genossen, die von diesen Strukturen bedrängt und bedroht werden, Solidarität mit von Sexismus Betroffenen, sowie wir uns weiterhin mit jeglichen Opfern rassistischer Gewalt solidarisieren. Für eine emanzipatorische Gesellschaft in der Ableismus nicht zum guten Ton des Miteinanders gehört. ✊




Anmerkungen:

[1] zu den Vorwürfen eines angeblichen Outings haben wir uns mehrmals geäußert, z.B. im Blog oder Twitter:


[2] „Es war ein längerer Prozess der Bewusstwerdung und des Dazulernens der ihn aus dem Dunstkreis der NPD über Strasserismus hin zum Rebell, dem Jugendverband der MLPD, und schließlich zu uns führten. Die MLPD-Genossen leisteten teilweise gute Schulungs- und Vorarbeit, nahmen uns eindeutig Arbeit ab, was seine ideologische und politische Weiterentwicklung und Umerziehung angeht, auf die wir dann einfacher aufbauen konnten.“
JW über ihren Ex-Nazi, aus: „Antwort an den Tagesspiegel“ (Jugendwiderstand, 12.12.2018):
http://archive.is/s2I2j#selection-1419.73-1419.496

[3] zum ehemaligen Antiimperialisten Hassan el Kassem, der nun im Vorstand der Jungen Alternative Berlin sitzt —>

[4] Hintergründe zum Ausgeladen-Festival, in dessen Rahmen diese Rede von Hanna Bruns gehalten wurde —>