Franziska Schreiber: Das Problem mit der Inszenierung als Aussteigerin

von Soja

Screenshot: Thumbnail von Franziska Schreibers Youtube-Kanal bei „funk“

Ich habe bezüglich Franziska Schreiber jetzt mehrmals gelesen, dass man Menschen den Ausstieg aus der rechten Szene erschweren würde, wenn man sie nur dann akzeptiert, wenn sie links und nicht konservativ sind.

Das Problem bei Schreiber ist aber ein anderes: Schreiber scheint einen blinden Fleck in ihrer politischen Haltung zu haben, der es ihr anscheinend unmöglich macht, die Verbindung zwischen rechtsoffenen Konservativen und Rechtsextremisten zu sehen. In ihrem Buch wird deutlich, dass sie nicht verstanden hat, warum der völkisch-nationalistische Flügel ausgerechnet in der AfD so groß werden konnte.

Dazu kommt, dass sie, statt sich nach dem Ausstieg für eine Weile auf die stille Treppe zu verziehen, diesen vermarktet und zelebriert. Jemand, der das Phänomen AfD und den Erfolg des „Rechtspopulismus“ nicht verstanden hat und genau deswegen auch so lange von ihm profitieren konnte, sollte sich nicht als Experte bzw. Insider stilisieren und bei antifaschistischen Veranstaltungen über „Rechtspopulismus“ referieren. Er sollte sich demütig zeigen und auf keinen Fall anderen Menschen Politik erklären. Jemand, der vor kurzem noch im Bundesvorstand einer in weiten Teilen protofaschistischen Partei saß, hat keinen Lehrauftrag, sondern Lernbedarf.

Wie schon im unten verlinkten Beitrag erwähnt, inszeniert sich Schreiber sowohl in ihrem Buch, als auch in Vorträgen als Opfer der Umstände, die hilflos mit ansehen musste, wie Rechte, von denen etliche schon von Beginn an in der Partei saßen, die Partei übernahmen. Der Einstieg in die Afd, in der sie dann 4 Jahre wirkte und noch kurz vor ihrem Austritt sogar in den Bundesvorstand aufstieg, wird von ihr als unproblematisch verklärt.

Hintergrund zur Debatte

Ganz so als würden selbsternannte „Neue Rechte“ nicht schon seit Jahren an einem gesellschaftlichen Aufstieg arbeiten, behauptet Schreiber noch heute auf Vorträgen, die AfD hätte sich erst durch die Berichterstattung radikalisiert, sowie sich der Begriff „Lügenpresse“ erst durch ungerecht auf Nationalisten in der Partei fokussierte Journalisten etabliert hätte. Das ist nicht nur falsch, Schreiber betreibt hier eine Täter-Opfer-Verkehrung, die die AfD entschuldigt und aus der Verantwortung nimmt. Schuld an der Diskursverschiebung nach rechts hat damit nicht die AfD, die es bestens versteht, ihr neonazistisches, völkisches und rassistisches Netzwerk zu mobilisieren, Schuld haben Journalisten und Antifaschisten selbst.

In ihren Videos auf funk vergleicht Schreiber den G20 Gipfel mit rechtsextremer Gewalt und Autonome Subkultur mit rechtsradikalem Gedankengut. In einem Beitrag über „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ vergleicht sie Hass auf Muslime mit Hass auf Ostdeutschen und Freimaurern. Sie verharmlost in ihren Videos strukturell rechtsextremes Gedankengut und das fällt erst mal nicht weiter auf, weil verdammt viele Leute genau diese Argumentation verinnerlicht haben. Womit wir wieder beim Erfolg der AfD wären.

Zu Franziska Schreiber (und generell zu AussteigerInnen aus extrem rechten Strukturen) lesenswert ist der Text von David Begrich Enthüllung – nimm und kauf, der schon kurz nach Erscheinen ihres Buches treffend formulierte:
„Doch Schreiber ist keine Aussteigerin. Sie hat sich – aus nachvollziehbaren Gründen – zurückgezogen. Das ist ein Unterschied.“

www.freitag.de/autoren/der-freitag/nimm-und-kauf

Quelle für den Blogeintrag, der in Absprache um zwei Absätze und eine Leseempfehlung ergänzt wurde: