Der „größte Förderer aller Zeiten“ der AfD Pankow

…und seine Verbindung zu einer verbotenen Neonazi-Organisation

Antifaschistisches Infoblatt 31 von 1995

Seit längerer Zeit gibt es Streit im Bezirksverband der AfD-Pankow. Zunächst wurde dieser intern ausgetragen, seit April 2019 hat sich der Streit aber zu einem öffentlichen Machtkampf entwickelt. Grund ist die neonazistische Vergangenheit des AfD-Bürgerdeputieren und Vermieters der Partei- sowie Büroräume Andreas Geithe. Dieser soll laut Aussage des Pankower AfD-Fraktionsvorsitzenden Stephan Wirtensohn in den 1990er Jahren Mitglied der mittlerweile verbotenen neonazistischen Organisation „Nationalistische Front“ (NF) gewesen sein. Geithe, der seit Dezember 2016 für die AfD im Ausschuss für Soziales, Senior*innen, Arbeit und Wirtschaft in der BVV Pankow sitzt, bestreitet dies. Die Büro- und Parteiräume im ehemaligen „Restaurant Pascal“ in Blankenburg vermietet Geithe seit August 2017 an den AfD-Bezirksverband sowie an die Pankower Mitglieder des Abgeordnetenhauses Ronald Gläser, Christian Buchholz und Herbert Mohr.
Auslöser der derzeitigen Debatte war ein Antrag von Stephan Wirtensohn in der BVV Pankow, Geithe als Bürgerdeputierten abzuwählen, da dieser Verbindungen zur Neonazi-Szene hätte. Dabei bezieht sich Wirtensohn auf einen Artikel über die „Nationalistische Front“ im Antifaschistischen Infoblatt 31 aus dem Jahr 1995, in dem Andreas Geithe als Mitglied der NF sowie der Nachfolgeorganisation „Gemeinschaft“ erwähnt wird.

Screen: Andreas Geithe im AIB 31 (für größere Ansicht Bild klicken)
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Screen: Andreas Geithe am 01.05.2018 beim „Bürgerfest“ der AfD Pankow, mit Mütze und Ballons in der Hand. Quelle: Oskar Schwartz

Geithe, der sich selbst AfD-intern als „größter Förderer aller Zeiten“ bezeichnet, spricht von einer Namensverwechslung. Dies kann allerdings ausgeschlossen werden. Gestützt wird Geithe durch den Pankower Bezirksvorstand, die Abgeordneten Gläser, Buchholz und Mohr sowie den Landesvorstand. Buchholz erschien zudem persönlich mit Geithe in der BVV-Sitzung, in der über Geithes Abwahl entschieden werden sollte. Wirtensohns Antrag Geithe abzuwählen, erhielt bei Abstimmung nicht die erforderliche Zustimmung.

Screen: Auszug einer internen E-Mail von Andreas Geithe

Was war die „Nationalistische Front“?
„Die NF ist die erfolgreichste Organisation des militanten Neofaschismus in den 90er Jahren. Das Konzept, aus einem nahen Umfeld durch straffe Schulung und rigorose Auswahl Kader heranzubilden, befähigt die NF ab 1990 zu breit angelegten Aktivitäten. (…) Eine herausragende Rolle nahmen hierbei das ehemalige Mitglied der Leibstandarte Adolf Hitler, Herbert Schweiger, und Rechtsanwalt Jürgen Rieger ein. Beständig verfolgt die NF die militärische Schulung ihrer Mitglieder.“ (Quelle: Apabiz)

Dass sich Geithe ideologisch nie gewandelt hat, lässt sich aus seiner AfD-internen Selbstbezeichnung schließen. Dort nennt er sich selber „Gröfaz“ oder „größter Förderer aller Zeiten“, eine unmissverständliche Anspielung auf den Hitler-Titel „größter Feldherr aller Zeiten“. Förderer, weil er kein volles Mitglied der AfD ist, sondern lediglich Fördermitglied.

Screen: Auszug einer internen E-Mail von Andres Geithe
Screen FB: JA-Landeskongress am 5. Januar 2019 im
AfD-Büro Blankenburg

Rückendeckung für Neonazi
Die Berliner AfD hat ein nachvollziehbar großes Interesse, Geithes Integrität aufrechtzuerhalten. Seine Immobilie in Blankenburg ist der wichtigste logistische Ort für parteipolitische Arbeit der AfD im Bezirk Pankow. Sie bietet Raum für Bezirksparteitage, die Kennenlerntreffen für Interessierte, Wahlkampfvorbereitungen und Veranstaltungen. Ronald Gläser, Christian Buchholz und Herbert Mohr (alle MdA) betreiben dort zusammen ein „Bürgerbüro“.

Auch die „Junge Alternative“ (JA) nutzt diesen Raum regelmäßig. So tagte dort im Januar 2019 der Landeskongress und zur WM 2018 lud die JA zu gemeinsamen Grillfesten mit Fußball-Liveübertragung ein. Auch für den „FeierFreitag“, an dem die JAler zusammen Alkohol trinken, wird dieser Raum genutzt.

Screen FB: Einladung zum „FeierFreitag“ der JA Berlin und JA-Fussball gucken im von Geithe vermieteten AfD-Büro in Blankenburg
Screen FB: Beim „FeierFreitag“ wird in Blankenburg gemeinsam getrunken
Screen: Gewaltfantasien von Ronald Gläser
und Stephan Wirtensohn (AfD)

Noch wird Geithe vom Landesvorstand um Georg Pazderski und Ronald Gläser sowie dem Pankower Bezirksvorstand um den gescheiterten Europakandidaten Michael Adam gestützt. Adam ist gleichzeitig der Justiziar des Landesverbandes und damit auch an einem Parteiausschlussverfahren gegen Wirtensohn wegen parteischädigendem Verhalten beteiligt. Dies ist die Reaktion des AfD-Bezirksverbandes Pankow auf die Veröffentlichung von Geithes Werdegang durch Wirtensohn.
Geithe selbst veröffentlichte ein Bild auf dem Wirtensohn mit einem Sturmgewehr posiert und dies mit „Antifaneutralisator“ kommentiert. Mit diesem Bild aber belastete er auch Ronald Gläser, Vorstandsmitglied des Berliner Landesverbandes der AfD sowie des Pankower Bezirksverbandes und Mitglied des Abgeordnetenhauses, schwer, da der auf das Foto mit „Haben will. Toll.“ reagierte.