Der »Jugendwiderstand« und der Opfermythos

Antifaschistischer Protest gegen den neonazistischen „Trauermarsch“ in Dessau am 11.03.2017

Der »Jugendwiderstand« spricht in einem Text vom 17. Februar 2017 anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Dresdens 1945 von einem »Massenmord an der deutschen Zivilbevölkerung« und zitiert Ulrike Meinhof, die sich ihrerseits wieder auf das Buch des späteren Holocaustleugners David Irving »Der Untergang Dresdens« bezieht. Mit keinem Wort wird die Rolle Dresdens im Nationalsozialismus noch die Perspektive der bis dahin Überlebenden des Holocaust erwähnt. Vielmehr wird die Stadt auch hier instrumentalisiert und an einem eigenen Opfermythos gestrickt. Demnach sei die Bombardierung Dresdens im Rahmen der Anti-Hitler-Koalition ein imperialistisches Kriegsverbrechen gewesen. Dresden sei von den West-Alliierten mutwillig zerstört und tausende unschuldige zivile Opfer in Kauf genommen worden, um der roten Armee zu schaden, eine Darstellung übrigens, der die sowjetische Führung wie auch während des Krieges in die UdSSR exilierte deutsche Kommunisten widersprochen haben.

Screenshot: Webseite Jugendwiderstand

Diesen geschichtsklitternden Text greift aktuell nun der »Jugendwiderstand«- Ableger »Revolutionäre Jugend Dresden« auf, um vom »Krieg und Terror gegen die Zivilbevölkerung, nicht gegen die Industrie des Hitlerfaschismus« zu schwadronieren und ihre verkürzte Darstellung vom Faschismus breitzutreten, wonach das Deutsche Volk, das in ihren Augen aus unverdächtigen Arbeitern und Arbeiterinnen bestanden hat – doppelt Opfer geworden wäre: Opfer der Nationalsozialisten und Opfer der westlichen Alliierten. Auch hier findet man vergebens auch nur ein Wort zu den bis dahin noch lebenden Opfern des Hitlerregimes.

Gegen jeden Opfermythos, egal ob er von Neonazis, MahnwächterInnen, Antiimps oder vom Jugendwiderstand kommt!

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