Völkisch-rassistische Kundgebung von Nikolai Nerling in Berlin

Nerling gemeinsam mit Shoahleugner Gerhard Ittner und NPD-Aktivist Tobias Schulze (Pseudonym: Baldur Landogart), Chefredakteur der neonazistischen Zeitschrift „Werk Kodex“

Am 19.01.2019 versammelten sich um die 200 Personen zu einer völkisch-rassistischen Veranstaltung auf der Reichstagswiese, zu der der ehemalige Grundschullehrer Nikolai Nerling unter dem Motto „Für Deutsche Kultur in Deutschland“ aufgerufen hatte. Nerling verbreitet unter dem Namen „Der Volkslehrer“ nationalsozialistische Propaganda auf YouTube und bietet ShoahleugnerInnen eine Plattform.  

An der Veranstaltung nahmen Akteure aus NPD, Afd, Pegida-Ableger, sogenannte Gelbe Westen und völkische Familien samt Kindern teil.

Als Redner traten die verurteilten Shoahleugner Bernhard Schaub, Begründer der inzwischen aufgelösten antisemitischen „Europäischen Aktion“, und Gerhard Ittner auf. Letzterer versucht seit 2017 in Dresden eine Plattform für bekennende NationalsozialistInnen und ShoahleugnerInnen zu etablieren. Seine Veranstaltung von 2018 wurde wegen volksverhetzender Inhalte vorzeititg aufgelöst. Für die Veranstaltung 2017 erhielt er eine Geldstrafe über 5400 Euro, ebenfalls wegen Volksverhetzung. Sowohl Ittner als auch Schaub werden von Nerling propagandistisch breit unterstützt, was dafür sorgt, dass die Szene um diese offen nationalsozialistische, aber doch verstaubte Szene zur Zeit massiv Zuflauf erhält.

Rede von Shoahleugner Bernhard Schaub: Geschichtsrevisionismus und völkischer Nationalismus

Ein weiterer Redner hier war Tobias Schulz, der als „Baldur Landogart“ Chefredakteur des neonazistischen Projekts „Werk Kodex“ ist. Die musikalische Unterstützung kam von „Andi Hoffnung„, Barde der völkischen „Dresdner Liedertafel“, die nicht nur Pegida unterstützt, sondern auch regelmäßig bei „Zukunft Heimat“ auftritt, ein Verein, der von hochrangingen Funktionären der Brandenburger AfD durchsetzt ist und seit Mai 2017 insbesondere in Cottbus für eine breite rassistische Mobilisierung verantwortlich ist.  

19.01.2019 Berlin: Völkisch-rassistische Kundgebung von Nikolai Nerling
Der Barde „Andi Hoffnung“ auf der Bühne mit Shoahleugnern (hier neben Gerhard Ittner), an anderen Tagen flankiert er Veranstaltungen des eng mit der Afd zusammenhängenden Vereins „Zukunft Heimat“. Mehr zu diesem Barden, hier.

Nerlings Veranstaltung schloss sich unmittelbar an eine Veranstaltung am Kanzleramt aus dem Umfeld von „Kandel ist überall“ an. Hier flatterten Zeitungsausschnitte, die einseitig Kriminalität durch Geflüchtete fokussierten, an einer Wäscheleine. Auch hier standen Rassismus und Geschichtsrevisionismus im Mittelpunkt. Der ehemalige evangelische Pfarrer Ernst Cran, wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt, erklärte, man befände sich in einem Kriegszustand und fabulierte von einem „Holocaust am Deutschen Volk“. Robert V. „Einzelfall“ aus Kandel beschwörte in seiner Rede ein Deutsches Volk, das für „unsere Zukunft“ gekämpft und gestorben sei.

Währenddessen führten Teilnehmer weiße Rosen mit sich, Symbol der von den Nationalsozialisten ermordeten Mitglieder der Weißen Rose um Hans und Sophie Scholl. Andere hatten sich blaue Kornblumen angeheftet, nationalsozialistisch besetztes Symbol der antisemitischen „Alldeutschen Vereinigung“ und heutiges Logo der AfD-Abspaltung „Aufbruch deutscher Patrioten“ (AdP) um André Poggenburg. 

Nikolai Nerling betonte, dass beide Veranstaltung zusammengehörten. Die Wäscheleine sei ein „Denkmal der Schande“, während seine Veranstaltung auf der anderen Seite der Reichstagswiese ein Ritual der Reinigung des Volkes sei. Die Teilnehmer verließen dann auch geschlossen das Geschehen am Kanzleramt und versammelten sich an der Bühne von Nikolai Nerling, wo völkische Tänze aufgeführt und geschichtsrevisionistische Reden gehalten. Damit nicht genug: Ein Teilnehmer verteilte selbstklebende Flugblätter, die die Freiheit von NS-AktivistInnen und ShoahleugnerInnen einforderten und diese zu politischen Gefangenen umlogen.

Eine Fotostrecke zu beiden Veranstaltungen findet sich —>

19.01.2019 Berlin: Völkisch-rassistische Kundgebung von Nikolai Nerling