Die Kameradschaft »Jugendwiderstand« und die Neonazis: Die maoistische Gruppe aus Berlin auf extrem rechten Wegen


In den letzten Jahren hat die maoistische Gruppe »Jugendwiderstand« in Berlin überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nicht jedoch wegen politisch relevanter Aktionen oder scharfsinniger Gedanken, sondern weil sie martialisch auftritt und all jene körperlich angreift, die nicht ihre Farben tragen. Die Gruppe tritt immer wieder mit Statements und Aufrufen an die Öffentlichkeit, die sich vom Wortlaut nur marginal von denen neonazistischer Gruppen unterscheiden. In Neukölln beansprucht sie ganze Straßenzüge für sich, wobei sie Häuserwände mit menschenfeindlichen Parolen markiert.

Analog zur »Schutzzonenkampagne« der NPD inszeniert der selbsternannte »Jugendwiderstand« jüngst eine »Kiez-Miliz« und kündigt an, sogenannte »Volksfeinde« aus ihrem Kiez zu entfernen. Unter diesen Begriff subsumieren die Mitglieder mittlerweile neben Neonazis auch »respektlose besoffene Touris, die sich benehmen als sei das ihre Stadt«, »asoziale Hipster, die die arbeitenden Familien […] nicht schlafen lassen und […] rumlärmen«, »antideutsche Student[en]«, deren Jutebeutel sie nicht aushalten, oder auch Diebe und drogenabhängige Menschen, die sie als »Junkies« verunglimpfen. Auf ihrer Webseite posiert dazu eine Gruppe von kahlrasierten Männern in einheitlicher Kleidung, die ihre Fäuste zeigen — eine immer wiederkehrende Geste dieser sehr maskulin auftretenden Gruppe. Die Fokussierung auf den »Kiez« als Schauplatz des politischen Kampfes stellt die Parallele zu den von ihnen glorifizierten blutigen Kämpfen in weit weg gelegenen Teilen der Welt her.

Inhaltlich weist der »Jugendwiderstand« keinerlei politisch relevanten Analysen zu gesellschaftlichen Problemen auf. Das einzige, was die Textproduktion der Gruppe hergibt, sind: Personenkult, ideologisch aufgeladene Texte, die inhaltlich und sprachästhetisch Propaganda-Formeln des Marxismus-Leninismus-Maoismus abkupfern und darin einen Klassenkampfbegriff vertreten, der sich lediglich auf den Aspekt der Gewalt beschränkt. Ihre Weltanschauung orientiert sich an einem völkisch-national-kommunistisch geprägten Antiimperialismus, der traditionell mit Antisemitismus, Verschwörungsideologien, Antiamerikanismus und keiner Kapitalismuskritik einhergeht. Sie glorifizieren nationale Befreiungskriege, verehren autoritäre Despoten wie Stalin und Mao und beziehen sich auf nationalistische Aussprüche Ernst Thälmanns.

Neben einer positiven Bezugnahme auf Begriffe wie Heimat und Nation vertreten sie die Einheit von Körper und Geist. Dazu stählen sie ihre Körper mittels Kampfsport für den Ernstfall, der den Volkskrieg verheißt und später die Revolution.

Zu dieser »Theoriebildung« gehört, dass jeder politische Konflikt auf die Dichotomie »Volk« – »Herrscher« (Kapital) heruntergebrochen wird. Im Volk, das als moralisch intakte, erhabene und werktätige politische Masse verklärt wird, hat der Jugendwiderstand sein politisches Subjekt gefunden. Ihrer Rhetorik zufolge muss sich das Volk reinigen und sich gegen seine Feinde erheben – ein Trick, der ihnen ermöglicht, auch die Deutschen als Opfer der Nationalsozialisten zu sehen.

Jugendwiderständler Ramon Mercader mit einem Opa-Heldenepos

Vor diesem Hintergrund verwundert kaum,  dass die Gruppe mit ihrem Habitus und Dogma auch für Neonazis interessant wird. In der jüngsten Vergangenheit haben sich bereits Kader der »Identitären« positiv auf den Jugendwiderstand bezogen, genauso wie »Jugendwiderständler« – trotz immer wiederkehrender Bekenntnisse, »den Rechten aufs Maul« zu geben – in einer wechselseitigen Hass-Liebe zu dem Braunschweiger Neonazi Lasse Richei stehen.

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Von der NPD zum »Jugendwiderstand« ist es nur ein kurzer Weg 

Doch beim Liebäugeln bleibt es beim »Jugendwiderstand« offenbar nicht. Die Gruppe kennt keine kritische Distanz zur extremen Rechten und scheut sich nicht, Neonazis stillschweigend in ihre Strukturen aufzunehmen. Aktuell hat der »Jugendwiderstand« mindestens ein zentrales Mitglied, das ehemals tief in NPD-Strukturen verhaftet war. Alleine im Jahr 2013 war er an mehreren geschichtsrevisionistischen und rassistischen Kundgebungen beteiligt. Nach Aussage eines anderen Antiimperialisten war diese Person bis 2015 Mitglied in der NPD.

Rassistische NPD Kundgebung in Britz Süd, 11. Juni 2013  @Aaron Rosenfeld

Als am 8. Mai 2013 ein Fest mit Veteranen und Zeitzeugen im Karlshorster Kapitulationsmuseum stattfand, versuchte die NPD den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus mit einer Störaktion umzudeuten. Neben NPD-Kadern wie Sebastian Schmidtke, Uwe Meenen oder Jens Irgang war auch der heutige Jugendwiderständler unter den Geschichtsrevisionisten (Bild Nr. 15).

Nur einen Monat später, am 5. Juni 2013, war er einer von neun Teilnehmern einer rassistischen NPD-Kundgebung mit Sebastian Schmidtke und Ronny Zasowk am Potsdamer Platz. Während das Front-Transparent den Aufdruck »Einmal Deutschland und zurück – Asyl ist kein Selbstbedienungsladen« zeigte, trug er selbst ein »Südtirol bleibt deutsch«- Shirt. Dieses geht auf eine Kampagne der NPD-Jugendorganisation JN Bayern/Franken um den damaligen Bayerischen Landesvorsitzenden Matthias Fischer zurück. Sie richtet sich mit Plakaten, Stickern und Kleidung gegen die angebliche Verfolgung von Nationalisten in Südtirol und stellt deutsche Besitzansprüche auf die Region. (Bild Nr. 6)

NPD-Kundgebung am 5. Juni 2013 am Potsdamer Platz

Am 16. Juni 2013 wiederum war der heutige Aktivist der stalinistisch-maoistisch geprägten Gruppe »Jugendwiderstand« ironischerweise an einer Gedenkkundgebung »Die Opfer des Kommunismus mahnen« vor dem ehemaligen »Stasi-Knast« in Hohenschönhausen beteiligt (siehe Bild Nr.16). Er hielt hier das Front-Transparent in den Händen, während NPD-Kader wie Sebastian Schmidtke, Udo Voigt und Maria Frank zum Mikrofon griffen.

Am 24. August 2013 demonstrierte er erneut unter dem Logo der NPD an der Seite von Neonazis wie Michel Fischer, Oliver Oeltze und anderen Neonazis aus Kameradschafts-Strukturen gegen eine Unterkunft für Geflüchtete in Berlin-Hellersdorf. Das Motto hier: »Asylflut stoppen«.

NPD-Kundgebung am 24. August 2013, Motto: »Asylflut stoppen«   @Aaron Rosenfeld

Ab dem Frühjahr 2016 ist er dann beim »Jugendwiderstand« als zentrales Mitglied wahrzunehmen und fällt seitdem immer wieder durch Einschüchterungsversuche kritischer Fotojournalisten und körperliche Drohgebärden auf. Als am 29. Mai 2018 im Neuköllner k-fetisch eine Veranstaltung stattfand, die sich kritisch mit linkem Antisemitismus auseinandersetzte, tauchte dieser »Jugendwiderständler« auf und fotografierte von der anderen Straßenseite die Teilnehmer vor dem Lokal ab. Der »Jugendwiderständler« wurde sofort angesprochen und aufgefordert, das Fotografieren zu unterlassen. Unter Drohungen und Schimpfwörtern wie »Ihr Hurensöhne« verließ dieser dann den Ort.

Aus antifaschistischer Perspektive ist diese Person unmöglich als »Aussteiger« zu betrachten. Vielmehr hat er unter anderen Symbolen im »Jugendwiderstand« ein ähnliches Umfeld gefunden.

Mitglieder des Jugendwiderstands beim Nakba-Tag 2017, als sie versuchten eine kleine Gruppe Gegendemonstranten einzuschüchtern.  @Aaron Rosenfeld

Dass die maoistische Gruppe »Jugendwiderstand« nach rechts die Türen offen hält und Um- und Aussteiger unkritisch aufnimmt, ist nicht neu. Bereits ihre Vorläufergruppe »Zusammen Kämpfen Berlin«, aus der im Februar 2015 der Jugendwiderstand als »eine antiimperialistische und revolutionäre Jugendorganisation unter proletarischer Führung« hervorging, nahm den ehemaligen Autonomen Nationalisten Holger Hansen in ihre Strukturen auf und übertrug ihm eine tragende Funktion. Allerdings musste sich Hansen drei Jahre später, im September 2014, aus linken und damit auch aus antiimperialistischen Zusammenhängen wieder verabschieden, nachdem mehrere Frauen von schwerer sexualisierter Gewalt berichteten, die er über längere Zeit in Beziehungen ausgelebt haben soll.


Die Wortführer der Mao-Gruppe

Hinter den Profilen der »Jugendwiderständler«-Akteure, die sich in sozialen Netzwerken Wlad Taktikka Iordanov, Ramon Mercader (Mercader war der Mörder Leon Trotzkis), Denis Rotsport, Luke Volkskrieg, Justin Ostberlin, Björn Seitenscheitel oder gleich Thaelmannjugend nennen, stehen in Wirklichkeit weniger proletarische Jugendliche mit Migrationshintergrund, wie gerne immer wieder für sich beansprucht wird, sondern bürgerliche Erwachsene, die Namen wie Patrick, Daniel, David, Friedemann oder Malte tragen. Selbstdarstellung und Realität klaffen nicht nur an dieser Stelle weit auseinander.

Geführt wird die maoistische Gruppe, die sich trotz der geringen Mitgliederstärke von ca. 12-16 Aktivisten selbst als Massenorganisation begreift, von den Rappern »Taktikka« und »TJ Detweiler« alias Patrick und Daniel. Sie sind immer wieder federführend dabei, wenn Menschen bedroht und angegriffen werden, die das reaktionäre, autoritäre und gewalttätige Auftreten der Gruppe kritisieren.

Während Patrick von der Vernichtung Israels träumt und Gewalt gegen Andersdenkende propagiert, ist er beruflich Erzieher und betreut Kleinkinder in einem alternativen Kinderladen direkt am Görlitzer Park. Seine politischen Tätigkeiten kollidieren zwar mit seinem Erziehungsauftrag, Konsequenzen hatte das für ihn aber bisher keine. Eltern, die ihre Kinder in der Kita haben, schildern, dass es nach vermehrten Berichten über gewalttätige Übergriffe der Gruppe in der Elternschaft Beunruhigung gegeben habe, weshalb es zu einer konfrontativen Aussprache gekommen sei. Patrick gab sich hier aber als Opfer von Diffamierungen und konnte damit weitere Konsequenzen abwehren — wohl auch weil er persönliche Unterstützung von der Kitaleitung erfährt.

Öffentliche Drohung von Patrick auf der Seite eines Politikers

Dabei sind Patricks politische Aktivitäten nicht neu. Im Gegenteil: Patrick ist schon lange in diesen Strukturen aktiv und war bereits Mitglied von »Zusammen Kämpfen Berlin«, einer Gruppe, die sich ähnlich wie der »Jugendwiderstand« durch Gewalt und Antisemitismus hervortat. Als am 28. April 2012  »Zusammen Kämpfen Berlin« die antifaschistische Streetparade zum 67. Jahrestag der Befreiung Neuköllns vom Nationalsozialismus angriff, war auch Patrick dabei. Hier wurden die Teilnehmer dieser antifaschistischen Demonstration wegen des Zeigens alliierter und israelischer Flaggen als Symbol des Siegs über den Faschismus auf Flugblättern als »Volksfeinde« bezeichnet.

Die Bezeichnung »Volksfeinde« für diejenigen, die an das Ende des Nationalsozialismus und die Entstehung Israels als Konsequenz aus der Shoah erinnern, ist auf die verkürzte Faschismusdefinition des »Jugendwiderstands« zurückzuführen, die das Kapital und letztendlich den Imperialismus als Ursache für den Faschismus begreift. Eine Ausprägung dieses Feindbildes ist der Zionismus bzw. Israel, nachdem Israelis, Jüdinnen und Juden oder deren Freunde, die sich nicht von Israel distanzieren, als »Volksfeinde« bzw. Vertreter des Faschismus gesehen werden.  In der Folge sind sie als Feinde des Volkes zu bekämpfen. Wie tief dieses Feindbild sitzt, zeigen »Jugendwiderständler« immer wieder auch in öffentlichen Netzwerken und auf Häuserwänden. Dort rufen sie zumindest verbal auch zum Mord an »Zionisten« und »Antideutschen« auf.

Im Gegensatz zu Patrick kommt Daniel alias »TJ Detweiler« ursprünglich aus Bremen und stand mehrfach wegen Körperverletzung vor Gericht. Ende 2016 versuchte er einen »Jugendwiderstands«-Ableger in Bremen zu etablieren, der zwar mit viel Gebrüll, Rauch und buntem Feuerwerk öffentlichkeitswirksam eingeweiht, letztendlich aber bald wieder eingestampft wurde. 2017 kam Daniel dann nach Berlin, wobei er regelrecht aus Bremen geflüchtet sein soll, nachdem er in einer szene-internen Auseinandersetzung mit einem Genossen ein Messer gezogen haben soll. In Berlin trat er dann Ende 2017 als Sprecher für den »Jugendwiderstand« auf der 50. Gründungsfeier der PFLP auf, eine Gruppe, die den bewaffneten Kampf zur Vernichtung Israels propagiert und für eine Vielzahl an antisemitischen Morden verantwortlich ist.

In seiner Rede glorifizierte er die PFLP als eine Befreiungsorganisation gegen den »zionistischen Feind« und Vorbild im Kampf gegen den Imperialismus. Heroisch gab er bekannt, dass es ihm eine Ehre sei, bald »nicht nur Schulter an Schulter, sondern Gewehr an Gewehr mit den Kämpfern der PFLP gegen den Zionismus« zu stehen. In einer martialischen Inszenierung, die mit der Verherrlichung von Gewalt und Brutalität einhergeht, schloss er mit »Tod dem Zionismus und Imperialismus, Ruhm und Ehre, von der Intifada bis zum Volkskrieg. Es lebe der Widerstand, es lebe die Volksfront«.

Kommentar von Daniel und einem JW-Anhänger auf unserer FB-Seite

Auch wenn der »Jugendwiderstand« politisch vollkommen irrelevant ist, sollte die Gefahr, die von ihm ausgeht nicht unterschätzt werden: Mit seinen gewalttätigen Übergriffen und den Versuchen, insbesondere junge Menschen für eine manifeste antisemitische, nationale, sexistische und homophobe Ideologie zu politisieren, darf ihm in der Linken nicht weiter Platz eingeräumt werden.



Chronik

Am 1. Mai 2016 griffen Teile dieser Gruppierung auf extrem aggressive Weise eine kleine israelsolidarische Gruppe in Kreuzberg an, nachdem sie sich auf der 13 Uhr Demo des »Jugendwiderstands« in Neukölln auf das Feindbild »Antideutsche« eingestimmt hatten.

Im Mai 2016  wurde eine Frau vor einem Supermarkt in der Neuköllner Karl-Marx-Straße wegen ihrer Kette mit einem Davidstern beschimpft und bis zu einem Parkplatz verfolgt. Dabei wurde ihr angedroht, dass der »Jugendwiderstand« sie kriegen würde. (Bericht liegt uns vor)

Am 15. Mai 2016 griffen sechs Aktivisten des »Jugendwiderstands« in Neukölln eine Israel-solidarische Demonstration an. Anschließend veröffentlichte die Gruppe einen Bericht auf ihrer Facebook-Seite, in dem sie sich zu der Tat bekannten und angekündigten, auch weiterhin gegen »Antideutsche, Zionisten oder Faschisten« vorzugehen, wenn diese »versuchen in unseren Vierteln ihre reaktionäre Propaganda zu betreiben. Das sind wir den Völkern der Welt schuldig. Ihr Kampf ist auch unser Kampf.«

Am 17. September 2016 half ein Politiker der Grünen, Plakate mit dem Slogan »Refugees Welcome« an Straßenlaternen zu befestigen, Im Richard-Kiez klebten dann Mitglieder des »Jugendwiderstands« eigene Sticker auf das Plakat. Als der Betroffene protestierte, wurde er geschubst und bedroht: »Wenn du die Sticker anfasst, stechen wir dich ab.« (Bericht liegt uns vor)

Am 31. Dezember 2016 griff der »Jugendwiderstand« wegen ideologischer Differenzen eine Gruppe Trotzkisten in Neukölln an, die bisher immer mit ihnen gemeinsam demonstriert hatte und das bis heute auch noch tut, wenn es denn gegen Israel geht. Die Trotzkisten feierten gerade das Neujahr, als der »Jugendwiderstand« sie mit Tritten und Schlägen attackierte. Einer wurde dadurch im Gesicht verletzt. Auch sexistische Beschimpfungen sollen gefallen sein. Der »Jugendwiderstand« bestätigte den Übergriff in einem eigenen Artikel, wobei sie alles relativierten und den Übergriff zu einem normalen Akt in der politischen Auseinandersetzung erklärten.

Am 21. April 2017 veranstaltete der Jugendwiderstand eine Flugblattaktion in Neukölln. Als eine Passantin die Annahme des Flugblattes mit einer kritischen Bemerkung zum »Jugendwiderstand« ablehnte, wurde sie von einem »Jugendwiderstand«-Aktivisten als »Zionistenfotze« und »blöde Schlampe« beschimpft. Außerdem versuchte man sie anzuspucken.

Am 17. August 2017 wurde eine Journalistin in Neukölln von »Jugendwiderstand«-Mitgliedern erkannt, beleidigt und bedroht, als sie gemeinsam mit einem Begleiter im Außenbereich eines Neuköllner Restaurants beim Essen war. Dabei wurde sie von einem der Gruppe mit vollem Namen angesprochen und als  »Zionistenfotze« und »Rassistin«, die in Neukölln nichts zu suchen habe, beschimpft. Ihr Begleiter wurde aufgefordert, mit nach draußen zu kommen, um sich zu prügeln. Bei dem Haupttäter handelt es sich mutmaßlich um Daniel.

Am 4. November 2017 berichteten zwei Twitter-User, sie seien mit ihrer Gruppe wegen eines Beutels, auf dem ein Davidstern zu sehen war, von Mitgliedern des »Jugendwiderstand« bedroht worden. Man wolle den »Schwuchtelbeutel« nicht sehen, bei nochmaligem Wiedersehen würde man sie verprügeln.

Am 10. Dezember 2017 bedrohte Patrick während einer antisemitischen Demonstration durch Neukölln eine Fotojournalistin im Beisein mehrerer Zeugen. Dabei wurde ihr gesagt, man würde sie »kalt machen«, wenn ihre Fotos öffentlich würden. Patricks Begleiter Hassan spuckte der Frau vor die Füße, bevor er mit seinem Chef wieder verschwand. (Bericht liegt uns vor)

Am 8. April 2018 versuchten die Wortführer der Gruppe am Rande einer antisemitischen Demonstration zu der BDS aufgerufen hatte, zwei Journalisten abzufangen und anzugreifen. Ein weiterer Journalist, der die Szene zufällig beobachtet hatte, reagierte schnell und lud die beiden in sein Auto ein, das er ganz in der Nähe geparkt hatte. Die beiden »Jugendwiderständler« fotografierten das Kennzeichen ab und versuchten sich noch an den Türen des Fahrzeugs zu schaffen zu machen, wurden dabei aber von der Polizei überrascht. Bei den Tätern handelt es sich um Patrick und Daniel, wie Ruhrbarone berichten.

Noch am selben Tag bedrohte der »Jugendwiderstand« eine Gruppe Antifaschisten, die diese Veranstaltung am Hermannplatz kritisch beobachteten. Dabei wurde ihnen angedroht, ihnen die Nasen zu brechen. (Bericht liegt uns vor)

25. April 2018 Auf dem Weg zu der Kundgebung »Berlin trägt Kippa« wurde eine Gruppe von sieben Personen angegriffen und antisemitisch beleidigt. Vier der Betroffenen trugen Kippot, zwei von ihnen sichtbar eine Kette mit einem Davidstern. Die Betroffenen sahen die Gruppe auf der anderen Straßenseite, als diese plötzlich in ihre Richtung rannte und ihnen den Weg versperrte. Eine Person fragte: »Wo wollt ihr denn hin? Zur Zionisten-Veranstaltung?« Mit den Worten »Ach komm, hört auf mit dem Scheiß« versuchte die Gruppe weiterzugehen. Ihnen wurde aber weiterhin der Weg versperrt. Einem der Betroffenen wurde dann vor die Füße gespuckt, einem weiteren ins Gesicht. »Verpisst Euch, Ihr Juden« und »Wir schlagen Euch Antideutschen den Kopf ein« wurde ihnen gedroht. Dann begannen fünf der sieben Personen auf die Betroffenen einzutreten. Diese wehrten sich, worauf die Gruppe von ihnen abließ, so dass sie ihren Weg fortsetzen konnten. Die Angreifer riefen ihnen hinterher: »Boykott Israel«.

30. April 2018 In der Nacht zum 01. Mai wurde ein Mann von einer Gruppe von ca. zehn Männern bedroht, beraubt und geschlagen, wobei er ein Hämatom davontrug, das mehrere Wochen Beschwerden verursachte. Mehrere Beteiligte können eindeutig dem Jugendwiderstand zugeordnet werden. Der Mann war im Neuköllner Richardkiez unterwegs, um Poster zu hängen, die sich inhaltlich gegen Antisemitismus richteten und einen positiven Israel-Bezug aufwiesen, als er eine Gruppe wahrnahm, die hinter ihm die Plakate wieder abriss. Während er versuchte seinen Schritt unauffällig zu erhöhen, hatte die Gruppe ihn schon eingeholt. Einer von ihnen, bei ihm handelt es sich um den »Jugendwiderständler« David, fragte ihn erst, ob er die Plakate geklebt hätte, um ihm dann mit den Worten »Willst du auf die Fresse« gleich seine Tasche zu entreißen, mit der die Gruppe wieder verschwand. Der Betroffene versuchte den Ort schnell zu verlassen, wobei er einen Freund per WhatsApp kontaktierte. Noch bevor er das Telefon wieder eingepackt hatte, stand er im Halbkreis umzingelt erneut vor der gleichen Gruppe. Hier trat nun der »Jugendwiderständler« Hassan hervor, der ihm befahl, ihm sein iPhone auszuhändigen. Der Betroffene weigerte sich und ließ das Handy schnell in seiner Hosentasche verschwinden. Hassan begann nun auf ihn einzureden, wobei er bezugnehmend auf die Plakate, Israel einen »Ausbeuterstaat« nannte. Dabei schlug er ihm mit der Faust mitten ins Gesicht, so dass dem Betroffenen gleich das Blut aus dem Mund lief. Während Hassan auf ihn weiter einredete und seine Faust erneut auf sein Gesichte richtete, rief der Betroffene, in der Befürchtung, nun gefährlich zusammengeschlagen zu werden, laut »Was wollt ihr denn noch? Ich blute ja schon.« Die Gruppe ließ nun von ihm ab und entfernte sich. Der Betroffene rief ihnen noch hinterher »Ihr habt keine Argumente!«, worauf der Schläger antwortete, »Halt’s Maul, oder du kriegst noch eine Bombe«. (Bericht liegt uns vor)

Der Jugendwiderstand nimmt auf diesen Vorfall in seiner Mai-Auswertung vermutlich selber Bezug: »In dieser von allgemeiner medialer Hetze und versuchtem Rufmord geprägten Atmosphäre glaubten ein paar unserer besonders frechen politischen Gegner die Gunst der Stunde nutzen zu können um im Viertel Ärger zu machen. Unseren Berichten nach konnte dies jedoch in mehreren Fällen durch rasche Eigeninitiative der Massen verhindert werden.«

Am 1. Mai 2018 griff der »Jugendwiderstand« auf der revolutionären 1. Mai Demo den feministischen Block wegen des Bekenntnisses, sich gegen jeden Antisemitismus zu stellen, an und entriss ihnen das Transparent. Später griff dieselbe Gruppe einen anderen antiimperialistischen Block an, mit dem sie im Streit liegen.

Am 11. August 2018 wurden eine Journalistin und ihr Begleiter am Bahnhof Frankfurter Allee von einem »Jugendwiderständler« angepöbelt und bedroht. Grund war wohl ein T-Shirt der Band »Alles.Scheisze«, auf dem das IDF-Logo abgebildet war. Die Person, bei der es sich mutmaßlich um Daniel handelt, fragte erst, ob der Träger des Shirts »Antideutscher« sei. Als der Betroffene dem Gespräch ausweichen wollte, wurde der »Jugendwiderständler« noch aggressiver und fragte immer wieder: »Bist du Antideutscher? Bist du Zionist?! Komm mal nach Neukölln, dann kriegst du auf’s Maul!!« Die Betroffenen konnten flüchten und ließen den »Jugendwiderständler« zurück. (Bericht liegt uns vor)

Am 23. August 2018 berichtete ein Foto-Journalist von einer Begegnung mit einem Mitglied des »Jugendwiderstand« am Rosa-Luxemburg-Platz. Dieser fragte ihn, ob er »Antideutscher« sei und drohte ihm Schellen an. Bevor er wieder verschwand, riet er ihm an, sie in Zukunft nicht mehr zu fotografieren. Bei dem Täter handelt es sich um den ehemaligen NPD-Mann.

Am 12. September 2018 fand im Kreuzberger Jockel Biergarten eine Propaganda-Veranstaltung mit der zur palästinensischen »Friedensaktivistin« verklärte Manal Tamimi zum Thema »Frauen unter Besatzung« auf. Manal Tamimi ist eine ausgesprochene Judenhasserin, die terroristische Aktionsformen für legitimen Widerstand im Kampf gegen Israel hält. Israelsolidarische Antifaschisten und Antifaschistinnen, die diese Veranstaltung kritisch begleiten wollten, wurden vom »Jugendwiderstand«, der hier als inoffizieller Saalschutz auftrat, gewalttätig bedroht und attackiert. Die hinzugerufene Polizei war mit der Situation vor Ort überfordert und rief Verstärkung an.

Am 4. November 2018 fand am Hermannplatz  eine Kundgebung gegen den in Brasilien gewählten Bolsonaro statt. Ein Journalist, der häufig auf Kundgebungen und Demonstrationen fotografiert, wurde hier von dem ehemaligen NPDler angegangen und körperlich bedrängt. Dabei fragte dieser ihn immer wieder ob er »Antideutscher« sei. Der Journalist versuchte der Situation erst auszuweichen, wurde dann aber ebenfalls laut. Als mehrere Teilnehmer der Kundgebung auf die Szene aufmerksam wurden, ließ  der »Jugendwiderständler« von ihm ab. (Bericht liegt uns vor)

Am Morgen des 21.11.2018 wurde ein Mann wegen des Lesens der Zeitschrift »Jungle World« im Bus M41 angepöbelt. Dabei stellte sich der Täter vor ihn und fragte immer wieder: »Bist du antideutsch, bist du Zionist, warum liest du die Jungle World.« Der Betroffene drehte sich mit der Frage: »Entschuldigen Sie, was wollen Sie von mir« weg, worauf der Täter immer aggressiver dieselben Fragen hervorbrachte und drohte: »Du kannst froh sein, dass hier Kameras sind. Hier in Neukölln wird keine Jungle World gelesen.« Erst als sich ein Bekannter des Betroffenen einmischte, ließ der Täter von ihm ab. Beim Ausstieg am Hermannplatz sagte er noch: »Lies nie wieder Jungle World bei uns in Neukölln.« (Bericht liegt uns vor)   

Am 15. Dezember 2018 – nur wenige Tage nach dieser Berichterstattung – wurden zwei Antifaschisten am Rande der Demonstration gegen die Verdrängung von Potse und Drugstore durch eine Person, die eindeutig dem »Jugendwiderstand« zuzuordnen ist, über längere Zeit verfolgt, bedrängt und per Gestik bedroht. Die beiden Antifaschisten hatten im Vorfeld über soziale Medien für die Veranstaltung geworben und sich dabei stark gegen den »Jugendwiderstand« positioniert.
Der »Jugendwiderständler« sprach auf der Demonstration auch Ordner mit dem Ziel an, die Betroffenen als »Antideutsche« von der Demo ausschließen zu lassen. Die Ordner kamen dieser Aufforderung aber nicht nach. Die beiden Antifaschisten konnten nach einer Zeit einen günstigen Augenblick nutzen, um sich der Verfolgung durch diese Personen zu entziehen. Sie verließen die Demonstation ohne weitere Konfrontationen.

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Uns liegen weitere Berichte vor, die hier aus Gründen des Opferschutzes nicht aufgeführt werden. Dennoch werden wir diese Liste stetig um dazukommende Übergriffe aktualisieren.


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