Extrem rechte Querfront: Bautzner Friedenspreis geht an Reiner Braun (Recherche)

Reiner Braun mit dem rechtsextremen Thomas Löbnitz an seiner Seite
(Screenshot: FB Jana Witschetzky)

Reiner Braun, einer der Köpfe des Friedenswinters und Geschäftsführer von IALANA e.V. – Deutsche Sektion, hat am 30.1.2016 einen Friedenspreis erhalten. Stifter des Preises ist der „Bautzner Frieden“, hinter dem sich nichts anderes verbirgt als die Mahnwache Bautzen. Im Impressum beider Organisationen wird jeweils als Verantwortlicher ein Rico Hüselitz genannt.
Der Preis wurde 2015 eigens für Lars Mährholz aus der Taufe gehoben, womit Braun als zweiter Empfänger direkt in die Fußstapfen des Begründers der Mahnwachen tritt. Aber nicht nur das, anhand des Preises lassen sich Verbindung des sich stets als linkes Bündnis gebenden Friedenswinters bis nach ganz rechts außen aufzeigen:
Die Mahnwache Bautzen ist Teilnehmer an der nationalistischen „Wir sind Deutschland Bewegung“, eine Art Pegida-light, die auch von „Endgame“ frequentiert wird. Somit verwundert es kaum, dass Jana Witschetzky, die in der Orga von „Wir sind Deutschland – Plauen“ mitmischt, bei Endgame/ Pegada-Veranstaltungen dabei ist und die erst kürzlich eine Compact Veranstaltung von Jürgen Elsässer mit dem Identitären Martin Sellner besuchte, die Preisverleihung auf ihrer Facebook Seite dokumentiert hat. Der rechtsextreme Mahnwächter Thomas Löbnitz, der sich als Künstler generiert, nahm hier eine zentrale Rolle ein. Er stiftete ein Bild zur Preisverleihung.

der rechtsextreme Thomas Löbnitz mit dem Preisträger Reiner Braun in der Mitte. umgeben von Jana Witschetzky (rechts außen) und dem Veranstalter Mario Groebe (hinten mitte) Screenshot: Bautzner Frieden FB

Die Webpräsenz und die FB-Seite der Mahnwache Bautzen glänzen nicht nur mit den denselben Inhalten, die man sonst bei „Endgame“ oder „Wir sind Deutschland-Plauen“ findet, im Reiter „Alternative-Informationen“ finden sich auch jede Menge Verlinkungen auf Inhalte aus dem extrem rechten Spektrum, zum Beispiel auf den Blog „Patriotenstimme.de“ des identitären Joachim Sondern. In derselben Sparte wird auch eine Rede von Adolf Hitler zitiert, mit der der Nationalsozialismus erklärt werden soll. Denn die Geschichtsschreibung – so wird dort behauptet – sei durch die Siegermächte verfälscht und hätte absichtlich eine abschreckende Funktion, um eine genauere Beschäftigung mit dem Thema zu verhindern. Dass die dann zitierte Rede, die dort zur Aufklärung über den Nationalsozialismus herangezogen wird, von Adolf Hitler ist, wird vom Schreiber unterschlagen.
So wie Adolf Hitler als Quelle zur Aufklärung über den Nationalsozialismus herangezogen wird, zieht die Seite der Mahnwache Bautzen auch ein RT Interview mit dem Syrischen Präsidenten Baschaer al-Assad als Aufklärung über den Syrien-Krieg heran. Kurz: Die Seite ist voll von kruden, bis hin zu NS-verherrlichenden und geschichtsverfälschenden Inhalten, die sich bis an die Grenze zur Leugnung der Shoah bewegen.
Als wären die Zustände bei den Friedensbewegten in Bautzen nicht schon schlimm genug, hat sich Reiner Braun von diesem Verein nun also mit einem selbstausgedachten Friedenspreis auszeichnen lassen. Die Laudatio hielt Mario Groebe, seines Zeichens Veranstalter der Mahnwache Bautzen und Mitglied der DFG-VK. Aus zahlreichen Postings geht hervor, dass Groebe die Bewegung „Endgame“ um Kathrin Oertel und Frank Geppert befürwortet und die Kooperation mit dieser Bewegung aktiv unterstützt. Die erst Ende letzten Jahres entstandene Bewegung in Plauen „Wir sind Deutschland“ wird von ihm ebenfalls aktiv unterstützt.
Auf der Webseite der bei Rechten beliebten Truther Band „Die Bandbreite“ erfährt man auch, dass Reiner Groebe sich für diese Band so begeistert, dass er gleich einen eigenen Fanclub gegründet hat.

Screenshot: Die Bandbreite

Die „Wir sind Deutschland“ Plauen ist ein Abklatsch von Pediga, die sich bürgerlicher gibt. Jedoch wird dort im selben Maße gegen Geflüchtete gehetzt, wie von Pegida bekannt.
Michael Oheim, der Veranstalter von „Wir sind Deutschland“ macht keine Geheimnisse aus seiner Sympathie für die Afd und das „Aktionsbündnis Vogtland gegen Rechts“ hat er kürzlich die Vernetzung von Michael Oheim mit Akteuren aus dem rechtsradikalen Spektrum Ungarns öffentlich gemacht.

Aus den Anfängen der Mahnwachenbewegung kursiert ein Video der Mahnwache Bautzen, in dem ein Peter sich als bekennenden Nationalsozialisten vorstellt und dann zwar eingesteht, dass es in der Geschichte zwar Fehler gegeben hätte, an denen er jedoch keine Schuld trage. Unterstützt von zahlreichen Teilnehmern der Wachen schützt Mario Groebe Peter vor Kritik, weil jedem seine Meinung zustehe. Dieses Video findet sich hier (mit Timecode):
Der von Groebe geschützte Peter zeigt sich auf seiner Facebook-Seite als Neonazi, als Beruf gibt er an: „Sturmmann bei Mein Boss ist österreichischer Maler“

Thomas Löbnitz, der das Bild zum Preis für Reiner Braun gestiftet hat, ist ein Mahnwächter der ersten Stunde, der sich über die Mahnwachen schnell radikalisierte. Heute gehört er dem offen rechten Flügel um Frank Geppert und Kathrin Oertel an.

Wir sind in Plauen, Wojna singt gerade und ich darf nachher reden.

Slået op af Frank GeppertSøndag den 18. oktober 2015
Thomas Löbnitz in seinem vertrauten Kreis bei „Wir sind Deutschland“ in Plauen. Rechts von ihm in grau Jana Witschetzky, links von ihm Alexander Quint, Kathrin Oertel, Hendra Kremzow und Frank Geppert. (Screenshot: Frank Geppert/ FB)

Im Dezember 2015 war er Teilnehmer der von „Endgame“ organisierten Demonstration in Berlin, wo neben Hagen Grell, Rico Albrecht, Frank Geppert und weiteren „Friedensbewegten“, auch Curd Schumacher (Pegida) eine Rede hielt. Teilnehmer dieser Demonstration waren nicht nur Neonazis aus NPD und Bärgida, auch der rechtsextreme Verschwörungsideologe und Hetzer Mario Rönsch war extra aus Erfurt mit seiner Freundin angereist.
Ein weiteres Foto, das Löbnitz auf seiner Facebook-Seite präsentiert, zeigt ihn mit Frank Geppert und Kathrin Oertel auf seinem Balkon. Er lässt wissen, dass er „[s]tolz wie Bolle, mit Euch beeden uff meine geliebte Veranda zu sein“ ist.

Screenshot: Thomas Löbnitz/ FB

Thomas Löbnitz, der auf seiner Facebook-Seite den üblichen Querschnitt an Querfront- Inhalten, nebst antisemitischer und rechtsextremer Propaganda, sowie Videos der rechtsesoterischen Anti-Zensur-Koalition des Sekten-Predigers Ivo Sazek teilt, die sich nah an der Grenze zur Leugnung der Shoah bewegen (siehe Anhang), ist bereits 2015 aufgefallen, als er gemeinsam mit dem rechtsextremen Antisemiten Hendra Kremzow (Mahnwache München / Friedensfusion / Endgame) dem Künstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit einen Besuch abstattete. Dieser Besuch bei Ruch wurde mit der Absicht Ruch zu diffamieren, dokumentiert und auf der Facebook-Seite von Kremzow veröffentlicht.
Die Seiten Kentrail-Verschwörung und Friedensdemo Watch berichteten:

Erneuter Hausbesuch und unverhohlene Drohungen rechter Wahnwichtel gegen Philipp Ruch:Bereits vor einigen Wochen…

Slået op af Die Kentrail-VerschwörungLørdag den 12. september 2015

In den Kommentaren unter Kremzows Fotoalbum findet sich auch einer des Rechtsextremisten Gregor Stein. Dieser dankt in bestem Nazi-Sprech den Kameraden Hendra Kremzow und Thomas Löbnitz für diesen Überfall auf Ruch, denn „Wahrheit macht frei“.
Aber auch Fuad Afane und Kathrin Oertel freuen sich über den Besuch bei Phillip Ruch. Während Afane gegen vermeintliche Antideutsche witzelt, schreibt letztere: „Hahaha der Hendra Kremzow mit dem Thomas Löbnitz auf Spurensuche (Daumen hoch-Bild) Recht so ihr beiden….die ZPS ist in den letzten Wochen schon sehr in die Kritik geraten.

Erschreckend ist, dass in Bautzen auch die Kreisspitze aus Die Linke und SPD mit dem Bautzner Frieden kooperiert und diesen Verein trotz breiter Kritik von Kirchen und den eigenen Reihen unterstützt. So war auch der erst im Juni 2016 gewählte Bautzner Finanzbürgemeister Dr. Robert Böhmer bei der Preisverleihung des Bautzner Friedens anwesend und hielt eine Rede. Der Oberbürgermeister von Bautzen Alexander Ahrens unterstützt den Bautzner Frieden aktiv. Er tritt auf den Mahnwachen auf und versprach den Mahnwächtern in einer Rede kurz nach seinem Amtsantritt, dass diese sich auf seine Unterstützung immer verlassen könnten. Ihm hätten die Mahnwachen nämlich von Anfang an gut gefallen und er hätte daher nicht gezögert, dort aufzutreten. Dass dort krude Thesen verbreitet werden und mit offen Rechtsextreisten und Neonazis zusammengearbeitet wird, stört ihn offenbar nicht. Es verwundert daher wenig, dass der OB Alexander Ahrens dafür eintritt, mit Pegida und Afd gesellschaftspolitisch Gespräche zu führen.

Hier sei noch darauf hingewiesen, dass Mario Groebes Facebook Freundesliste ein anschauliches Beispiel für die Querfront liefert: Dort finden sich neben Reiner Braun, Diether Dehm, Susan Bonath, Pedram Shahyar, Marsili Cronberg, auch Rechtsextremisten aller Couleur wie Christoph Kastiuis, Karsten Halffter, Kathrin Oertel, Alexander Quint, Frank Geppert, Guido Ciburski, Sven Liebich, Donatus Schmidt, etc.,etc. bis hin zu dem bekennenden Nationalsozialisten Peter Apelt, etc. etc.

Leider hat die Sächsische Zeitung über die Preisverleihung an Reiner Braun vollkommen unkritisch berichtet und das absurde Szenario ignoriert. Dort heißt es: „Der Verein Bautzner Frieden zeichnete am Sonnabend verdienstvolle Persönlichkeiten aus. An einem besonderen Ort und einem besonderen Datum.“

Ein erster Artikel, der insbesondere die weite Vernetzung und Kooperation der Mahnwächter mit der Landespolitik kritisch beleuchtet, wurde bereits bei uns auf Facebook veröffentlicht. Unter diesem Artikel haben sich die friedensbewegten Mitglieder der Bautzner Mahnwache/ des Bautzner Friedens ausgetobt. Auch der bekennende Nationalsozialist Peter Apelt ist dabei. Diese „Diskussion“ zeigt noch einmal eindeutig auf welchem Niveau sich diese Leute bewegen und warum sich eine Zusammenarbeit
verbietet

Aus der Laudatio an Braun heißt es sehr treffend, der Preis würde ihm „für seine Bemühungen die unterschiedlichen Strömungen der Friedensbewegung zu einen, und dies über diverse Schwierigkeiten hinweg“ übergeben. Mit welcher Strömung sich hier vereint wird, wird mehr als deutlich. Das ist ein Fass ohne Boden

Anhang: Facebook-Screenshots

Wojna (Die Bandbreite) mit Reiner Braun